Preisabsprachen bei heimischer Milch? Von Wettbewerbsbehörde gibt es "Kopfwäsche"
- Kartellbehörde: Ermittlungen nicht abgeschlossen
- Bauern stößt Milchpreissenkung im Handel sauer auf

·Milchpreis bröckelt: Bis zu 20 Cent billiger
Supermärkte senken Preise für Milchprodukte
Wegen möglicher Preisabsprachen in der heimischen Milchwirtschaft wird es von der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) "eine Kopfwäsche geben", berichtete eine österreichische Tageszeitung. Beim "Milchgipfel" Anfang Juni hatten sich Vertreter des Handels (Hofer, Rewe, Spar), der Molkereien und der Landwirtschaftskammer getroffen, um einen Weg aus dem Milchboykott zu suchen.
Daraufhin leitete die Kartellbehörde Untersuchungen ein, ob bei dem Gipfel auch Preise ausverhandelt wurden. Laut "Standard" werden die Ermittlungen aber kein gerichtliches Nachspiel haben. Dies konnte ein BWB-Sprecher gegenüber der APA "nicht bestätigen". Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte er.
Bauern stößt Milchpreis sauer auf
Die Bauern haben kein Verständnis dafür, dass der Milchpreis in den Supermärkten wieder gesenkt wird. Wenn die Preisschlacht in dieser Form weiter geführt werde ist die Struktur bei den Bauern und Molkereien und letztlich auch im Handel nicht aufrecht zu erhalten, sagte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (LK), Gerhard Wlodkowski.
"Wenn die Preise für die Milchbauern nicht stimmen, können wir nicht mehr den Qualitäts-, Umwelt- und Tierschutzstandards gerecht werden", hieß es. 80 Prozent der heimischen Milchproduktion liege in Berggebieten, daher hinke auch ein Vergleich mit dem deutschen Preisniveau, so der LK-Präsident an die Adresse der Arbeiterkammer, die er und Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch wegen ihrer "Retropolitik" maßgeblich für die neuerliche Preissenkung verantwortlich machen.
Festlegung der Miclquoten
Auf politischer Ebene fordern die Bauern, dass die Milchquoten, also die von der EU festgelegte Produktionsmenge für jedes Land, nicht weiter angehoben wird. Ein "Milchpaket" der EU sollte auf die Topographie der österreichischen Milchwirtschaft Rücksicht nehmen und unter anderem Investitionsanreize für die Bauern bzw. verkaufsfördernde Maßnahmen für Exporte etwa nach China enthalten.
Unterstützen wollen die Bauern ihre Forderungen mit flächendeckenden "sympathischen" Aktionen, also keinem Milchboykott, betonte Grillitsch. Gedacht sei dabei etwa an Verteilaktionen vor Supermärkten, die die Konsumenten über die Folgen der billigen Produkte aufklären sollen.
(apa/red)

