Dienstag, 11. November 2008

Hiobsbotschaften von Post und Telekom: 11.500 Mitarbeiter verlieren bald ihren Job

  • Regierung & Betriebsrat uneins über Vorgehensweise
  • Arbeitnehmervertreter drohen mit Protestmaßnahmen
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Schwarzer Tag für die ehemals verstaatlichen Paradebetriebe Post und Telekom Austria. Nachdem der Vorstand der Post AG indirekt Pläne zum Abbau von 9.000 Mitarbeitern bestätigt hatte, kam von der Telekom Austria eine Gewinnwarnung. Zusätzlich wurde gegen die Stimmen der Belegschaftsvertreter der Abbau von 2.500 Jobs bei der Aufsichtsratssitzung beschlossen. Dafür muss die Telekom Rückstellungen von 630 Mio. Euro vornehmen - dem steht im ersten Jahr (2009) eine Ersparnis von 35 Mio. Euro gegenüber. Der Telekom-Betriebsrat hat bereits Kampfmaßnahmen angekündigt. Details wurden noch keine genannt.

Bei der Post AG hat die Politik bereits reagiert und einen Runden Tisch angekündigt. Termin dafür steht noch keiner fest, als wahrscheinlich gilt ein Treffen nach der Post-Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch. Zuletzt haben sich zumindest SPÖ und ÖVP nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können. Während SPÖ-Chef und Verkehrsminister Werner Faymann der Post-Führung die Rute ins Fenster stellte und laut über eine Ablöse nachdachte, will sich der für die teilverstaatlichten Betriebe zuständige Finanzminister Wilhelm Molterer nicht in die Führung der Post einmischen.

Postgewerkschaft will aktiv werden
Auf jeden Fall aktiv werden will die Postgewerkschaft. Aber auch hier gibt es einen offenen Konflikt zwischen der "roten" FSG und der "schwarzen" FCG. Toben tun beide, nur die Christgewerkschafter gehen noch einen Schritt weiter. Sie haben heute ein Volksbegehren unter dem Titel "Stopp den Postraub" angekündigt. Ironischer Kommentar des FSC darauf: "Das ist ein Volksbegehren der ÖVP-Gewerkschafter gegen den eigenen Finanzminister. Eine Maßnahme, die wir gerne unterstützen, damit bestätigt die FCG die Zuständigkeit des Finanzminister in der Angelegenheit."

Gewinnwarnung der Telekom Austria
Wenige Stunden später platzte dann die Gewinnwarnung der Telekom Austria herein. Gut drei Stunden nach Ende der Aufsichtsratssitzung gab der Konzern ad hoc bekannt, dass das Betriebsergebnis 2008 um 85 Prozent sinkt und ein "geringenr" Nettoverlust erwartet werde. Zum Halbjahr war die Telekom noch von einem stabilen EBIT und einem um 12 Prozent niedrigerem Jahreseregebnis ausgegangen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wird um 30 Prozent tiefer erwartet. (Telekom-Schätzung zuletzt: plus 3 Prozent).

2.500 Mitarbeiter werden abgebaut
Weiters bestätigte die Telekom, dass in den nächsten Jahren 2.500 Mitarbeiter abgebaut werden müssen, davon 1.250 bis Ende 2009. Für diese nicht mehr benötigten Mitarbeiter werden Rückstellungen von 630 Mio. Euro vorgenommen. Auf die Dividende haben die Maßnahmen laut Telekom keinen Einfluss, die Aktionäre dürfen sich weiter über 0,75 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2008 freuen.

Erlöse entsprechen Erwartungen
Die von der Telekom präsentierten voraussichtlichen Zahlen für die ersten neun Monate des heurigen Geschäftsjahres entsprechen den von Analysten erwarteten Werten. So wird der Umsatzerlös um 6,4 Prozent auf 3,864 Mrd. Euro zulegen (Analystenschätzung: plus 6,3 Prozent), das EBITDA werde um 3 Prozent auf 1,508 Mrd. Euro ansteigen (Analysten: plus 2,1 Prozent). Keine Angaben wurden zum Betriebsergebnis gemacht. Marktbeobachter erwarten ein Minus von 5,2 Prozent auf 633 Mio. Euro.

(apa/red)

11.11.2008 10:51