Sonntag, 16. November 2008

Der LASK steckt in einer veritablen Krise:
Linzer schon mit siebenter Pleite in Folge

  • Lindenberger will Spiel "als Lehrvideo verwenden"
  • Stefan Maierhofer wirbt mit Hattrick in eigener Sache

Der österreichische Fußball-Meister SK Rapid hat den LASK noch tiefer in die Krise geschossen. Das 0:5-Debakel im Hanappi-Stadion bedeutete für die Linzer zum Abschluss der Bundesliga-Hinrunde die siebente Niederlage en suite bei einem Torverhältnis von 1:22 und die Einstellung einer historischen Negativserie - auch im Herbst 1987 hatte es sieben Schlappen in Folge gesetzt.

Damals stand Klaus Lindenberger in allen sieben Partien im LASK-Tor, nun muss der 51-Jährige die Misere von der Trainerbank aus mitverfolgen. "Rapid war in allen Belangen klar besser, dieses Spiel können wir als Lehrvideo verwenden", gab der Oberösterreicher zu. "Aber für uns ist das Samstag-Spiel gegen Kärnten entscheidend, nicht das Match heute."

Die Ausfallsliste wird für das Duell mit der Truppe von Frenkie Schinkels aber noch länger sein. Zwar könnte der angeschlagene Thomas Prager zurückkehren, dafür fehlen gegen die Klagenfurter aber neben Christoph Saurer (gesperrt), Michael Baur (private Gründe), Jürgen Panis, Wendel und Markus Weissenberger (alle verletzt) auch Christian Mayrleb und Sascha Pichler wegen Sperren. "So viele Ausfälle kann keine Mannschaft verkraften", jammerte Lindenberger.

Vastic soll helfen
Auch der körperliche Zustand seiner Kicker bereitet dem Ex-Teamspieler Kopfzerbrechen. "Von der konditionellen Seite her wird es schwierig." Nun seien die arrivierten Spieler in der Pflicht, das Ruder herumzureißen, so Lindenberger. Seinem Kapitän Ivica Vastic traut er zu, die Trendwende einzuleiten, allerdings befindet sich der 39-Jährige weit von seiner Form der Vorjahressaison entfernt. "Doch er kann ja nicht plötzlich nach einem halben Jahr zu alt sein. Ein Ivica Vastic kann einen Ball stoppen und weiterspielen, da muss etwas passiert sein."

Rapid-Coach Peter Pacult gab den Medien zumindest eine Teilschuld am Vastic- und dem damit verbundenen LASK-Untergang, ließ der Wiener doch durchblicken, dass die körperlichen Defizite des Kroaten von der EURO-Teilnahme des Austro-Kroaten herrühren, die seiner Meinung nach von der Presse herbeigeschrieben wurde. Vastic selbst flüchtete sich in Durchhalteparolen. "Wir müssen hart weiterarbeiten und jetzt noch mehr kämpfen", forderte der Offensivspieler.

Kein Vorwurf an Panadic-Arbeit
Die Theorie, wonach die Basis für die schlechten Ergebnisse durch die Trainingsarbeit von Lindenberger-Vorgänger Andrej Panadic gelegt worden sei, klingt für Vastic nicht plausibel. "Unter Panadic haben wir immerhin 21 Punkte geholt. Ich glaube nicht, dass wir da so schlecht gearbeitet haben."

Die letzten drei Partien unter Panadic wurden allesamt verloren, danach folgten vier Niederlagen ohne Torerfolg mit Lindenberger auf der Bank - der LASK wartet nun schon seit 593 Minuten auf einen Treffer. Der aktuelle Coach sieht seinen Job dennoch nicht in Gefahr. "Wir haben die Philosophie, junge Spieler einzubauen, und ich werde diesen Weg weitergehen", betonte Lindenberger.

Noch einmal für den ÖFB
Der LASK-Trainer reist trotz der aktuellen Krise zum ÖFB-Team, wo er noch einmal als Goalie-Trainer im Einsatz ist. An diesem Tag absolvieren die Linzer sportmotorische Tests.

Dort bleibt ihm wenigstens der Anblick jenes Spielers erspart, der den LASK fast im Alleingang zerlegte. Stefan Maierhofer erzielte innerhalb von 21 Minuten einen lupenreinen Hattrick, traf erstmals in einem Spiel dreimal für Rapid und betrieb damit persönliche Frustbewältigung nach dem verlorenen Derby und der Nichtsberücksichtigung für das Team.

"Ich wünsche der Nationalmannschaft alles Gute und würde mich freuen, wenn ich wieder einberufen werde", betonte der Sturmriese, der im Moment bei 15 Liga-Treffern hält und mit seinem Triplepack einen Beitrag zu den Glücksgefühlen seines Trainers leistete. "Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute eine tolle Leistung geboten. Das war ein schöner Rapid-Abend", jubelte Pacult. Außergewöhnliche Zufriedenheit verspürte der Betreuer nach dem Kantersieg aber nicht. "Ich bin immer auf meine Mannschaft stolz, denn ich habe sie ja geformt."

Sturm im Höhenflug
Während Rapid die Heimbilanz auf 14 Siege und 2 Remis aus den jüngsten 16 Liga-Partien im Hanappi-Stadion schraubte, fuhr Sturm dank eines 3:0 in Graz gegen Ried den siebenten vollen Erfolg in Serie ein und stieß damit zumindest vorläufig auf Rang eins vor. "Aber die Tabellenführung ist nur eine schöne Nebensache", erklärte Trainer Franco Foda. Der Deutsche war voll des Lobes für seine Schützlinge. "Mit der Mannschaft bin ich sehr, sehr zufrieden. Sie gibt von der ersten bis zur letzten Minute alles, ist gereift und eine Einheit."

Weniger euphorisch äußerte sich Karl Daxbacher nach dem 0:0 seiner Austria in Mattersburg. "Wir hatten heute in der Offensive zu wenige torgefährliche Spieler und hätten auch verlieren können", meinte der Coach, dessen Gegenüber Franz Lederer schon seit elf Partien auf einen Sieg wartet. "Aber wenn die Mannschaft in punkto Kompaktheit und Wille so auftritt wie gegen die Austria, dann sind wir auf dem richtigen Weg", sagte der SVM-Betreuer.

Der Abstand der Burgenländer auf den Abstiegsplatz reduzierte sich jedoch nach der 18. Runde auf drei Zähler, weil Altach mit einem 3:0 vor eigenem Publikum gegen den Vorletzten Kapfenberg den Anschluss schaffte. "Wir hatten einen guten Start und haben praktisch alle Torchancen genützt", beschrieb Altach-Trainer Urs Schönenberger die Gründe für den Sieg. Kapfenberg-Coach Werner Gregoritsch sprach von einer "katastrophalen Leistung. Da müssen sich einige fragen, ob sie wissen, worum es hier geht".


(apa/red)

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16.11.2008 13:16