Mittwoch, 12. November 2008

Derby folgte im Horr den eigenen Regeln:
'Favorit' unterlag trotz massierter Offensive

  • Rapid musste sich bei Austria 2:0 geschlagen geben
  • Pacult sucht die Schuld für Pleite beim Schiedsrichter

Die Fußball-Floskel vom Derby, das eigene Gesetze hat, traf auf das 287. Wiener Lokalduell voll zu. Außenseiter Austria, zuvor drei Runden sieglos (3:11 Tore), in eine Formtief gerutscht und in fünf von sechs Vergleichen mit dem Erzrivalen ohne Tor, schlug Favorit und Meister Rapid 2:0 (2:0). Damit verkürzten die Violetten den Rückstand in der Tabelle auf die zweitplatzierten Hütteldorfer, die mit der Referenz von vier Partien ohne Niederlage (3-1-0/11:4 Tore) nach Favoriten gekommen waren, auf zwei Punkte.

Die Hausherren, die weiterhin auf dem vierten Platz aufscheinen, beendeten vor ausverkauftem Haus im Horr-Stadion (12.200 Zuschauer) damit auch eine Negativserie in der Derby-Historie. Sie erzielten durch Thomas Krammer (6.) das erste Tor gegen Rapid nach 280 Minuten und feierten den ersten Triumph über den Stadtrivalen seit sechs Partien oder 4. März 2007 (2:1). Krammer empfand das Resultat "als Entschuldigung an die Fans für die schwachen Darbietungen" zuvor. "Wir haben zuletzt dreimal sehr schlecht gespielt, das hat auch uns geärgert. Wir wollten unsere Fans versöhnen", sagte Rubin Okotie, der in Minute 23 das 2:0 besorgt hatte, von ÖFB-Teamchef Karel Brückner beobachtet und am Mittwoch auch in den Kader für das Länderspiel gegen die Türkei berufen worden war.

"Das waren Dämpfer zu rechten Zeit"
Joachim Standfest betrachtete die Tatsache, dass seine Mannschaft zuletzt dreimal eine "auf den Deckel bekommen" hat, als Grund für die Wandlung zum Positiven. "Das waren Dämpfer zu rechten Zeit. Mit dem schnellen 1:0 aus der ersten Chance ist unser Selbstvertrauen zurückgekommen", meinte der ÖFB-Teamspieler. Auch Kapitän Jocelyn Blanchard äußerte sich ähnlich. "Wir haben vergessen gehabt, dass Fußball auch Arbeit in der Defensive heißt. Die ganze Mannschaft war heute wirklich stark. Wir haben gewusst, dass man ohne Kampf kein Derby gewinnt", meinte der Franzose.

Karl Daxbacher hatte seine Schützlinge, die gegenüber den jüngsten Partien Leidenschaft, Willen und Kampfgeist gezeigt und dazu auch das nötige Quäntchen Glück des Tüchtigen gehabt haben, fast nicht wiedererkannt. Einen solchen Einsatz und diese Begeisterung habe er von seinen Spielern in dieser Form noch nie gesehen. "Sie müssen sich fast vorwerfen lassen, warum sie nicht immer so auftreten. Allen muss klar sein, dass wir nicht mehr die spielerische Austria sind, daher müssen wir kämpfen, kämpfen und nochmals kämpfen", befand der Austria-Trainer, der froh ist, dass seine Abwehr wieder Qualität gezeigt habe.

Und das, obwohl Franz Schiemer wegen einer Entzündung an der Fußsohle w.o. hatte geben müssen. Doch der junge Aleksandar Dragovic vertrat den U21-Teamkapitän mit einer fehlerfreien Leistung in der Innenverteidigung sehr gut. "Heute hat Austria wieder das andere Gesicht gezeigt. Wir waren von der ersten Minute an aggressiv und haben auch taktisch clever gespielt. Hut ab", lobt der für den sportlichen Bereich zuständige AG-Vorstand Thomas Parits. Trotz des Befreiungsschlages bleibt man am Verteilerkreis auf dem Boden und bescheiden. "Die Favoriten auf den Titel sind nach wie vor Rapid und Salzburg. Für uns ist es wichtig, dass wir drangeblieben sind," meinte Daxbacher.

Pacult sucht Schuld beim Schiedsrichter
Sein Widerpart im grünweißen Lager nahm zur Kenntnis, dass es auch "im Sport oft anders kommt als man denkt". Aber Peter Pacult suchte die Fehler für das 0:2 in erster Linie nicht in den Reihen seiner Mannen, sondern beim Salzburger Unparteiischen Bernhard Brugger und seinem Assistenten Rene Zechner. "Der Grund für die Niederlage war ganz klar das Abseitstor, das zum 0:1 führte. Der Assistent war indisponiert. Das darf man nicht vom Tisch wischen, das sind spielentscheidende Situationen. Von den ersten zehn Minuten haben wir sechs den Ball gehab," ärgerte sich der Rapid-Coach über den - aus grünweißer Sicht - nicht optimalen Start.

Mit dem 0:1 wäre all das, was man sich für das Spiel vorgenommen habe, über den Haufen geworfen worden. Das 0:2 kreidete er nicht dem Derby-Debütanten Andreas Lukse im Tor ("Ich war nicht nervös. Mein erstes Derby war unglücklich, daher ein schlechtes"), sondern vielmehr dessen Vorderleuten an. Dober und Maierhofer wären nicht nahe genug am Mann (Okotie) gewesen. "Nach dem 0:2 haben wir dann kein Mittel gefunden, um die im eigenen Stadion mit neun Mann hinter der Mittellinie stehende Austria zu gefährden. Wir haben zwar gefällig, aber ungefährlich gespielt", befand Pacult.

Auch deshalb, weil sein Kapitän, der mit schmerzender Achillessehne gespielt hatte, überhaupt nicht ins Spiel kam und so Akzente vermisst wurden. Steffen Hofmann, der auf Schritt und Tritt bis zu 66. Minute von Fernando Troyansky und danach von Michael Madl an die Kette gelegt worden war, war "sehr traurig, weil wir das Spiel nicht verlieren hätten müssen". Rapid habe sich durch Schnitzer selbst in Rückstand gebracht. "Wir haben es den Austrianern sehr einfach gemacht. Wir haben ihnen die Tore mehr oder weniger geschenkt", gab der Deutsche zu. Er selbst hatte per Kopf das 0:1 eingeleitet.

Offensivbemühungen blieben unbelohnt
Stefan Maierhofer, war ebenfalls geknickt. "Wir haben heute nicht das rübergebracht, was wir können. Das tut mir für die Mannschaft und für die Fans leid," sagte der Rapid-Stürmer, der gemeinsam mit Boskovic in Minute 73 eine Doppel-Chance zum Anschlusstreffer leichtfertig verjuxt hatte. Pacult fand an der Niederlage auch etwas Gutes. "Wie Hofmann nach seinem Fehler hat die ganze Mannschaft nie aufgesteckt. Das Risiko, das wir nach der Pause genommen haben, ist von Austria nicht genützt worden."

Der 49-Jährige hatte mit zwei Defensiven im zentralen Mittelfeld begonnen, nach fast einer halben Stunde Drazan für Kulovits gebracht, zur Pause mit Kavlak für Ketelaer noch einen Offensiven eingewechselt und auf ein 3-5-2-System umgestellt. Alle Bemühungen halfen nichts, außer einer optischen Feldüberlegenheit schaute nichts Zählbares heraus.

FK Austria Wien - SK Rapid Wien 2:0 (2:0)
Franz Horr Stadion, 12.200 Zuschauer, SR Brugger

Tore:
1:0 (6.) Krammer
2:0 (23.) Okotie

Austria: Safar - Standfest, Bak, Dragovic, Troyansky (66. Madl) - Krammer, Blanchard, Suttner - Bazina, Acimovic (91. Netzer) - Okotie

Rapid: Lukse - Dober, Tokic, Patocka, Ketelaer (46. Kavlak) - Hofmann, Hekkinen, Kulovits (24. Drazan), Boskovic - Jelavic (55. Hoffer), Maierhofer

Gelbe Karten: Okotie, Krammer, Troyansky, Bazina bzw. Kavlak, Drazan, Hofmann, Heikkinen

(apa/red)

12.11.2008 14:34