Prozessbeginn für Mord an Politkowskaja:
Militärgericht wird Fall öffentlich verhandeln
- Hauptverdächtiger Tschetschene weiterhin flüchtig
- Moskau: 4 weitere Verdächtige auf der Anklagebank

·Anna Politkowskaja: Ihr Leben als Symbol
Galt für viele Russen als die allerletzte Hoffnung
Der Prozess um den Mord an der russischen Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja wird vor den Augen der Öffentlichkeit verhandelt. Das kündigte der zuständige Richter Jewgeni Subow zum Auftakt des Prozesses an einem Militärgericht in Moskau an. Angeklagt sind ein russischer Polizist, zwei Tschetschenen sowie ein ehemaliger Spezialagent des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Sie sollen bei der Vorbereitung der Tat geholfen haben. Der mutmaßliche Todesschütze Rustam Machmudow ist weiterhin flüchtig, der oder die Auftraggeber immer noch unbekannt.
Er lehne den Antrag der Staatsanwaltschaft auf ein Verfahren hinter verschlossenen Türen ab, sagte der Richter. Er werde jedoch den Ausschluss der Öffentlichkeit verfügen, falls Druck auf die Geschworenen ausgeübt werde, fügte er hinzu. Eine Anwältin von Politkowskajas Familie, Karinna Moskalenko, begrüßte die Entscheidung. Sie habe nicht mit diesem Beschluss gerechnet, sagte sie. "Mit diesem Richter besteht die Chance auf einen objektiven Prozess."
Furcht vor Prozess hinter verschlossenen Türen
Angehörige Politkowskajas hatten befürchtet, dass der Prozess wegen der Anklage gegen den Ex-FSB-Mitarbeiter Pawel Riagusow hinter verschlossenen Türen stattfinden könnte. Er soll Politkowskajas Adresse weitergegeben haben und hat durchgesetzt, dass der Prozess vor einem Militärgericht stattfindet. Bei den anderen Angeklagten handelt es sich um den russischen Polizisten Sergej Chadschikurbanow sowie die tschetschenischen Brüder Jabrail und Ibrahim Machmudow - zwei Geschwister des flüchtigen mutmaßlichen Täters Rustam Machmudow, der in Westeuropa untergetaucht sein soll.
"Das ist ein Prozess gegen zwei Fahrer und einen Mittelsmann", kritisierte der Anwalt eines Angeklagten, Murad Mussajew, den Prozess, bei dem der mutmaßliche Haupttäter und der Drahtzieher fehlen. Mit dem Verfahren solle der Eindruck erweckt werden, dass ein aufsehenerregender Mord aufgeklärt worden sei, "obwohl das nicht stimmt".
Wer hat Mord gezahlt?
Die Anwältin Moskalenko wies darauf hin, dass die Vorermittlung nicht geklärt habe, "wer den Mord bezahlt hat". Zudem sei die Befragung von Ramsan Kadyrow, Russlands Statthalter in Tschetschenien, abgelehnt worden. Dieser habe Politkowskaja bedroht. "Die Ermittler haben auch die Tatsache ignoriert, dass der Mord am Geburtstag von Wladimir Putin verübt wurde", fügte die Anwältin hinzu.
Dmitri Muratow, Chefredakteur der Zeitung "Nowaja Gaseta", für die Politkowskaja geschrieben hatte, sagte, russische Geheimdienstagenten hätten den Mord organisiert und koordiniert. Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen begrüßte, dass der Prozess öffentlich verlaufen solle. Trotzdem dürfe nicht vergessen werden, dass die Angelegenheit noch nicht abgeschlossen sei, erklärte die Organisation.
Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Sie gehörte zu den wenigen Journalisten in Russland, die etwa über den Feldzug der russischen Truppen in Tschetschenien kritisch berichtet und schwere Menschenrechtsverletzungen angeprangert hatten. Frühere Kollegen vermuten, dass ihr Tod im Zusammenhang mit einem geplanten Artikel über Folter in Tschetschenien stand.
(apa/red)
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