Tutsi-Rebellen sind weiter am Vormarsch:
Regierung arbeitet mit Hutu-Miliz zusammen
- Stadt Kanyabayonga ist kurz vor der Übernahme
- Undurchsichtige Allainzbildung bei Regierungstruppe

·Kämpfe im Kongo schwappen über
Angola: Entsendung von Soldaten angekündigt
·Menschliches Leid
im Flüchtlingslager
Bilder: Konflikt im Kongo trifft Frauen und Kinder
Die Tutsi-Rebellen des abtrünnigen Generals Laurent Nkunda haben im Osten der Demokratischen Republik Kongo ihren Vormarsch fortgesetzt. Sie stünden jetzt vor den Toren der strategisch wichtigen Stadt Kanyabayonga, hieß es übereinstimmend aus mehreren Quellen. Wenn die Rebellen die Stadt einnähmen, könnten sie damit den Zugang zum Norden der umkämpften Provinz Nord-Kivu blockieren.
"Wir stehen kurz vor dem Einzug in Kanyabayonga", sagte Bertrand Bisimwa, Sprecher der Rebellen des Nationalkongresses zur Volksverteidigung (CNDP) der Nachrichtenagentur AFP in einem Telefongespräch. Der Vormarsch gehe fast kampflos vonstatten, denn die kongolesischen Regierungstruppen seien vor den Rebellen auf der Flucht. "Die Lage ist ruhig", sagte Bisimwa.
Plünderungen durch Truppen
In Kanyabayonga, das rund 100 Kilometer Provinzhauptstadt Goma entfernt liegt, hatten die kongolesischen Truppen zu Wochenbeginn heftig geplündert. Die Stadt gilt als wichtiger Zugang zu Handelszentren und Hochburgen der mächtigen Nande-Volksgruppe im Norden der Provinz Nord-Kivu.
Regierungstruppen mit Hutu-Milizen
Im Kampf gegen die Tutsi-Rebellen im Osten des Kongo arbeiten Regierungstruppen mit ruandesischen Hutu-Milizen zusammen, wie der Korrespondenten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in der Region, Thomas Scheen, beobachtet hat. Es gebe dort eine konzertierte Aktion von kongolesischen Soldaten, Kämpfern der regierungsnahen Mai-Mai-Miliz und der für den Völkermord in Ruanda 1994 mitverantwortlichen Demokratischen Front für die Befreiung Ruandas (FDLR), schreibt Scheen am Donnerstag in der "FAZ". Der Reporter wurde am 4. November von den Mai Mai entführt und drei Tage später wieder freigelassen.
Scheen schildert in dem Artikel die Umstände seiner Gefangennahme. Er befand sich zusammen mit Anhängern des Führers der Tutsi-Rebellen, Laurent Nkunda, in einem verlassenen Hotel in Kiwanja, das von der Mai-Mai-Miliz angegriffen wurde. Bei ihrem Fluchtversuch wurden Scheen, sein Fahrer und Dolmetscher sowie ein Nkunda-Gefolgsmann von der regierungsnahen Miliz aufgegriffen. Kindersoldaten feierten dem Bericht zufolge die Gefangennahme des Weißen, indem sie ihm mehrfach ein Gewehr an den Kopf hielten, das dann leer abgedrückt wurde. Auch zwei Nkunda-Kämpfer wurden einer Scheinexekution unterzogen.
Kindersoldaten und reguläre Streitkräfte
Zu den Kindersoldaten und den erwachsenen Milizionären gesellten sich nach Darstellung des Reporters Soldaten in den Uniformen der regulären kongolesischen Streitkräfte mit Waffen die gut gewartet wirkten. Die kongolesische Regierung hat wiederholt bestritten, mit den Mai-Mai-Kämpfern gemeinsame Sache zu machen. Scheen wurde nach eigener Beobachtung jedoch Augenzeuge einer unmittelbaren Zusammenarbeit. Hinzu kommt demnach die konzertierte Aktion mit der Hutu-Miliz FDLR des Nachbarlandes Ruanda.
Immerhin hinderten die regulären Soldaten nach Scheens Bericht die Kindermilizionäre daran, ihn zu erschießen. Dem Mai-Mai-Führer wiederum sei es letztlich um Lösegeld gegangen. Hier wurden Verhandlungen unter Einschaltung der örtlichen Friedenstruppe der Vereinten Nationen (MONUC) eingeleitet. Letztlich aber wurden Scheen sowie sein Fahrer und Dolmetscher dem Bericht zufolge freigelassen, weil die kongolesischen Streitkräfte entsprechenden Druck auf die Mai Mai ausgeübt haben sollen.
(apa/red)
Fall Heidrun Wastl13:58
Die irre BeichteTatverdächtiger Erich W. spricht von Unfall - "Ich habe sie vermutlich getroffen"
Anders Behring Breivik19:11
War er Einzeltäter?Norwegens Polizei ist sicher, dass der Attentäter die Anschläge allein ausgeführt hat
