Mittwoch, 12. November 2008

Kämpfe im Kongo drohen überzuschwappen:
Angola kündigt Entsendung von Soldaten an

  • Dürfte auch für Ruanda eine Provokation sein
  • PLUS: Ban fordert die Aufstockung der UN-Truppen

Die neuerlichen Kämpfe im Kongo drohen sich auf weitere Länder in der Region auszuweiten. Das südliche Nachbarland Angola kündigte die Entsendung von Soldaten in den Kongo an. Über Umfang und Mandat der Truppe machte der stellvertretende Außenminister Georges Chicoty keine Angaben. So blieb unklar, ob es sich um Friedenstruppen oder Kampfeinheiten handeln sollte.

Die Rebellen des abtrünnigen kongolesischen Generals Laurent Nkunda haben angekündigt, alle afrikanischen Truppen zu bekämpfen, die die Streitkräfte des zentralafrikanischen Landes unterstützen. Die Entsendung von angolanischen Soldaten dürfte auch in Ruanda als Provokation betrachtet werden. Ruanda hat während des kongolesischen Bürgerkriegs von 1998 bis 2002 hart gegen angolanische Truppen gekämpft.

Angola unterstützte seinerzeit gemeinsam mit Simbabwe die kongolesische Regierung und erhielt im Gegenzug Zugang zu lukrativen Diamanten- und Kupferminen im Süden und Westen des Kongos. Ruanda und Uganda kämpften indessen auf Seiten der Rebellen, die riesige Kaffeeplantagen sowie Gold- und Zinnbergwerke im Osten kontrollierten.

Ban fordert Aufstockung der UN-Truppen
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte angesichts der neuerlichen Kämpfe eine Aufstockung der internationalen Friedenstruppen im Kongo. Nach einer Sitzung des Weltsicherheitsrats verlautete, eine Verstärkung der 17.000 Mann starken UN-Mission (MONUC) werde auf breiter Basis befürwortet. Demnach ist die Entsendung von etwa 3.000 zusätzlichen Soldaten und Polizisten vorgesehen. Die Kämpfe im Kongo haben seit August mindestens 250.000 Menschen in die Flucht getrieben.

Ban äußerte sich sehr besorgt über Berichte von gezielten Übergriffen auf Zivilpersonen im Ostkongo. Nach Angaben eines MONUC-Sprechers plünderten 700 bis 800 kongolesische Soldaten auf dem Rückzug nördlich von Goma Wohnhäuser und vergewaltigten Frauen in mehreren Dörfern. Nur bei einem sofortigen Waffenstillstand könnten Hilfsorganisationen die allein 100.000 Flüchtlinge nördlich von Goma unterstützen, sagte Ban.

(apa/red)

12.11.2008 18:04