Afghanistan: Mehrere Tote nach einem Bombenanschlag auf Regierungsgebäude
- Explosion sollten Bruder des Präsidenten töten
- Männer schütteten Säure auf Schulmädchen

Bei einem Selbstmordanschlag auf Provinzrats-Politiker in der südafghanischen Stadt Kandahar sind nach Regierungsangaben mindestens sechs Zivilisten getötet worden. 43 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die afghanische Regierung mit. Die britische BBC berichtete, der Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, Ahmed Wali Karzai, habe die Sitzung des Rates der Provinz Kandahar geleitet, als sich ein Attentäter nahe dem Regierungsgebäude mit einem Auto in die Luft sprengte. Ahmed Wali Karzai blieb unverletzt. Der BBC sagte er, es habe sich um eine "feige Tat" der Taliban gehandelt.
Ein Sprecher Hamid Karzais teilte weiter mit, Unbekannte hätten am Mittwoch in der Provinz Kandahar sechs Mädchen auf dem Schulweg angegriffen und mit Säure verletzt. Wie ein Sprecher des afghanischen Bildungsministeriums mitteilte, geschah der Angriff am Mittwoch in der Nähe einer Mädchenoberschule. Eines der Opfer, eine 16-jährige Schülerin, sagte der Nachrichtenagentur AFP, zwei Männer auf Motorrädern hätten neben ihr und ihrer Schwester auf dem Schulweg gestoppt und ihnen mit einer Spritzpistole Säure ins Gesicht gespritzt. Die Männer konnten fliehen.
Feiges Säureattentat
Die Mädchen trugen den Ganzkörperschleier Burka, der auch das Gesicht verdeckt. "Kandahar ist nicht sicher. Aber wir können nicht zu Hause bleiben, wir wollen Bildung", sagte die 16-Jährige. "Wir brauchen die Hilfe der Regierung." Zunächst bekannte sich niemand zu dem Säure-Anschlag. Unter der Herrschaft der radikalislamischen Taliban (1996-2001) in Afghanistan war Mädchen der Schulbesuch untersagt.
Säureangriff scharf verurteilt
Der afghanische Präsident, der an einer UNO-Konferenz in New York zum Thema "Kultur für Frieden" teilnimmt, verurteilte den Selbstmordanschlag und den Säureangriff scharf. Es handle sich um "skrupellose Taten der Feinde von Frieden und Wohlstand in Afghanistan". So umschreiben afghanische Behörden Aufständische wie die Taliban. Zunächst bekannte sich niemand zu den beiden Angriffen. Kandahar ist eine Hochburg der radikalislamischen Taliban.
Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta forderte von den Verbündeten die Entsendung weiterer Kampftruppen in den Süden des Landes. Zwar sei der Aufbau und die Ausbildung der afghanischen Armee langfristig für die Sicherheit von zentraler Bedeutung, sagte Spanta am Mittwoch dem Hörfunk der BBC. Kurzfristig würden jedoch mehr Soldaten im Süden benötigt, um terroristischen Umtrieben begegnen zu können.
Gordon Brown fordert mehr Einsatz
Spanta besucht gegenwärtig Großbritannien. Am Dienstag hatte auch der britische Premierminister Gordon Brown speziell von den NATO-Verbündeten mehr Einsatz verlangt. Insgesamt sind etwa 71.000 ausländische Soldaten und 130.000 afghanische Sicherheitskräfte gegen die radikal-islamischen Taliban im Einsatz. Trotzdem ist die Gewalt so schlimm wie seit dem Sturz der Taliban 2001 nicht mehr. Die Hauptlast der Gefechte in den Hochburgen der Islamisten im Süden wird von den angelsächsischen Staaten wie den USA oder Großbritannien getragen.
(apa/red)
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