Neue Eiszeit zwischen Süd- und Nordkorea: Grenzen sollen wieder geschlossen werden
- Nordkorea wirft Seoul Politik der Konfrontation vor
- Kritische Flugblätter über die Grenze geschmuggelt

·Anhaltende Gerüchte trotz neuer Fotos
Nordkoreas Kim Jong Il glänzt durch Abwesenheit
·Nordkorea möchte Südkorea vernichten
Wut über Luftballone
von Bürgerrechtlern
Das stalinistisch geführte Nordkorea hat die Schließung seiner Grenze zum Süden angekündigt und dafür die konservative Regierung in Seoul verantwortlich gemacht. Südkorea habe die Konfrontation zwischen den verfeindeten Staaten "in die Gefahrenzone" getrieben, meldete die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Ein Sprecher des Ministeriums für Wiedervereinigung in Seoul nannte die Ankündigung "bedauerlich" und bekräftigte, alle Abkommen einhalten zu wollen.
Abkommen, die in den vergangenen zehn Jahren geschlossen worden seien, würden nun unter dem seit Ende Februar im Amt befindlichen südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak missachtet, hieß es aus Nordkorea. Die südkoreanische Seite sei von der "wichtigen Maßnahme" informiert worden, dass die Volksarmee alle Übergänge an der militärischen Demarkationslinie strikt kontrollieren und vom 1. Dezember an sperren werde. "Die südkoreanische Marionetten-Regierung sollte niemals vergessen, dass die derzeitigen innerkoreanischen Beziehungen am Scheideweg zwischen Existenz und vollständigem Abbruch stehen", warnte die nordkoreanische Volksarmee.
Südkorea ruft zu Dialog auf
Der Sprecher des Wiedervereinigungsministeriums, Kim Ho-nyoun, warnte im Gegenzug vor "negativen Auswirkungen" auf die inner-koreanischen Beziehungen. Er rief den Nachbarstaat erneut zum Dialog auf. Man bleibe hoffnungsvoll, dass Pjöngjang das Gespräch wieder aufnehme. Die Erklärung aus Nordkorea bedeute nicht "notwendigerweise eine vollständige Schließung der Grenzübergänge", sagte Kim. Die Wortwahl der Ankündigung lasse viel Raum zur Interpretation.
Nordkorea hatte bereits in den vergangenen Wochen den Ton gegenüber Südkorea verschärft und mit dem Abbruch aller Beziehungen gedroht. Vor Lees Amtsantritt hatte Südkorea laute Kritik an der Lage in dem - auch atomar - hochgerüsteten, verarmten Nachbarn weitgehend vermieden. Der neue Präsident hatte dann ein entschlosseneres Vorgehen gegenüber Nordkorea angekündigt, jedoch auch Wirtschaftshilfe angekündigt, sollte das kommunistische Regime in Pjöngjang Zugeständnisse machen.
Für Verstimmung im Norden haben zuletzt auch südkoreanische Menschenrechtsgruppen gesorgt, die per Ballon kritische Flugblätter über die schwer bewachte Grenze schickten. "Die Blätter gelangen tiefer in das Land hinein als jemals zuvor", hieß es in südkoreanischen Regierungskreisen.
Rätselraten um Gesundheit von Kim Jong-il
Der japanische TV-Sender TBS (Tokyo Broadcasting System) hatte auf seiner Internetseite unter Berufung auf eine US-Geheimdienstquelle in Südkorea berichtet, Nordkoreas Diktator Kim Jong-il habe Ende Oktober einen zweiten Schlaganfall erlitten. Der 66 Jahre alte Kim habe danach Schwierigkeiten gehabt, seine linke Hand und sein linkes Bein zu bewegen. Zudem leide er unter Sprachstörungen. Zur Schwere der Symptome habe die US-Quelle keine Angaben machen können. Kim ist seit Wochen von der Bildfläche verschwunden. Gerüchten zufolge erlitt er schon Mitte August einen Schlaganfall, was Nordkorea zurückgewiesen hat. Nordkoreanische Medien veröffentlichten seitdem mehrfach Bilder von angeblichen Auftritten Kims, ohne allerdings Zeit- und Ortsangaben zu machen.
Der Nordkorea-Experte Koh Yu-hwan von der Dongguk-Universität sieht bezüglich der Entwicklungen eine Verbindung zu dem designierten US-Präsidenten Barack Obama. Es gebe die Erwartung, dass der Demokrat einen weniger harten Kurs gegenüber dem Norden einschlagen könnte, sagte Koh. Die Regierung in Pjöngjang hoffe vielleicht, den Süden zu einer ähnlichen Entwicklung treiben zu können.
Energielieferungen nicht betroffen
Die Grenzschließung betrifft nicht den gesamten Verkehr zwischen den Staaten. Die Energielieferungen an den Norden im Gegenzug zur Vereinbarung mit Nordkorea, sein Atomprogramm aufzugeben, erfolgen per Schiff und sollen weitergehen. Betroffen von einer vollständigen Blockierung des schon bisher streng kontrollierten Grenzverkehrs an Land wären zwangsläufig aber wohl Kooperationsprojekte wie der Industriepark im nordkoreanischen Kaesong und Tourismusreisen aus Südkorea in diese Grenzstadt. Die beiden Projekte sind eine wichtige Devisenquelle für den Norden.
Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag auf der Koreanischen Halbinsel. Der Korea-Krieg dauerte von 1950 bis 1953. Im Juni 1950 hatten nordkoreanische Truppen die 1945 nach der militärischen Niederlage der Kolonialmacht Japan gezogene Demarkationslinie überschritten. Damit begann ein Krieg, der 4,5 Millionen Tote forderte und durch einen bis heute gültigen Waffenstillstand beendet wurde. Der UNO-Sicherheitsrat beschloss damals auf Verlangen Washingtons, Südkorea mit UNO-Truppen zu Hilfe zu kommen. Die Sowjetunion boykottierte den Weltsicherheitsrat; so war kein Vertreter Moskaus zugegen, um sein Veto einzulegen. Die USA stellten das weitaus größte Truppenkontingent der UNO-Streitmacht. China unterstützte Nordkorea mit einer großen "Freiwilligen"-Armee von einer Million Mann. Das Waffenstillstandsabkommen wurde 1953 von einem US-General im Namen der UNO unterzeichnet. In Südkorea haben die USA derzeit noch 28.000 Soldaten als Abschreckung gegen Nordkorea stationiert.
(apa/red)
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