Donnerstag, 13. November 2008

Provokation zum Start des 2. Prozesstages:
Mona S. mischt sich heimlich unter Zuseher

  • Verschleierte behauptete: "Ich bin nicht die Frau S.!"
  • Verließ vor formeller Klärung der Identität den Saal

Der zweite Verhandlungstag im Terror-Prozess gegen Mohamed M. und Mona S. hat mit einer Provokation der 22-jährigen Angeklagten begonnen. Die wegen ihres Gesichtsschleiers von der Verhandlung ausgeschlossene junge Frau setzte sich am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht unter die Zuseher, wurde jedoch sogleich von Richterin Michaela Sanda identifiziert. "Ich bin nicht die Frau S.!", behauptete die Verschleierte darauf.

Als sie von der Vorsitzenden gebeten wurde, sich mit ihr ins Beratungskammerl zurückzuziehen, wo Sanda formell ihre Identität feststellen wollte, an der es für sämtliche Prozessbeobachter keinen Zweifel gab, zumal Mona S. über eine markante Stimme verfügt und eine nicht minder auffällige Handtasche mit sich führt, protestierte die Verschleierte: "Muss ich das machen? Ist das Gesetz?" Dann verließ sie grußlos den Verhandlungssaal, in dem ihre Mutter und ihre Schwester zurückblieben.

Im Anschluss wurde der erste Zeuge einvernommen. Ein Vertreter des Bundeskriminalamts erläuterte die gegen Mohamed M. gerichteten Fahndungsmaßnahmen, der in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung über einen Laptop mit Gleichgesinnten kommuniziert hatte und dabei - so jedenfalls die Anklage - terroristische Ziele verfolgt haben soll. Ohne sein Wissen wurde sein Internet-Verkehr überwacht, indem seine Daten direkt beim Provider "angezapft" und auf einen Datenträger der Polizei kopiert wurden.

Auswertung durch Spezialisten
Im Zeitraum Mai bis September 2007 konnte so ein Datenberg von 98 Gigabyte sichergestellt werden. Sodann werteten Spezialisten die Emails, Chats und das Webbrowsing des Verdächtigen aus.

Allerdings konnte das BK rund ein Drittel der Daten nicht entziffern, wie der Zeuge einräumen musste: Diese waren über einen malaysischen Proxyserver gelaufen, die verschlüsselten Inhalte waren nicht aufzulösen. "Wir können nicht sagen, was dabei übermittelt wurde", sagte der Ermittler. (apa/red)

13.11.2008 10:47