Vorsicht auf der Piste: Verletzungen bei Wintersportlern werden immer schwerer
- Jeder vierte Skifahrer und Snowboarder verunglückt
- Zahl der Todesfälle war 2007 aber rückläufig

Die Skisaison 2008/2009 hat begonnen und damit haben auch die Unfall-Ambulanzen wieder Hochbetrieb: Jeder vierte Sportunfall passiert laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) beim Skifahren oder Snowboarden. Die Pistenunfälle sind in der Saison 2007/08 um knapp sieben Prozent gestiegen, die Zahl der Todesopfer ist von 42 auf 34 gesunken. Alarmierend für Unfallchirurgen ist aber, dass die Schwere der Verletzungen zugenommen hat. "Sportgeräte erfüllen zwar immer mehr Sicherheitsnormen, lassen aber auch ein höheres Tempo zu", sagte Thomas Klestil, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie an der Universitätsklinik Innsbruck. Die Versuchung, schnell zu fahren, sei groß.
Seit 2002 hat die Verletzungsschwere bei den Patienten kontinuierlich zugenommen, berichtete Michael Blauth, Leiter der Unfallchirurgie an der Uni-Klinik Innsbruck. Bei den schweren Verletzungen konnte man hauptsächlich im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens eine Zunahme verzeichnen.
Zahlreiche Schädelverletzungen
In den vergangenen Jahren hat sich laut Klestil eine Verlagerung der Verletzungsmuster abgezeichnet. Dabei sei zwischen den zwei Hauptsportarten zu unterscheiden: Skisportler und Snowboarder. Letztere ziehen sich eher am Oberkörper, im Bereich der Schultern, Nacken, Arme und der Wirbelsäule Verletzungen zu. Skifahrer sind an den unteren Extremitäten besonders verletzungsanfällig. Hier ist vor allem das Kniegelenk betroffen.
"Bei beiden Sportarten gibt es viele Schädelverletzungen", sagte Klestil. Wobei sich die Chirurgen durch das vermehrte Tragen von Helmen hier einen Rückgang erwarten.
Immer mehr verletzte Rodler
Bei den Rodlern haben Beckenverletzungen zugenommen. "Weil sie oft bei schlechter Sicht, leider auch alkoholisiert und mit hohem Tempo in der Nacht die Piste runterfahren und dann ungebremst gegen ein Hindernis stoßen", sagte Klestil. Typisch für Rodler seien innere Organverletzungen.
Helm und Protektoren schützen
Der Chirurg appelliert: "Helm und Protektoren tragen, keinen Alkohol trinken und kontrolliert fahren." Wichtig sei auch nicht völlig untrainiert in die Skisaison zu starten. "Kurzfristig kann auch Aufwärmen helfen. Das ist besonders für die Muskeln wichtig, weil sie ein wichtiger Stabilisierungsfaktor für die Gelenke sind", so Klestil. Trotz Helm und Schutzkleidung sollten sich Wintersportler nicht in falscher Sicherheit wiegen. "Alles hat seine physikalische Grenzen."
Für den Anstieg an Unfällen spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Neben höherem Tempo, Zunahme an Wintergästen, guter Pistenqualität und besserer Ausrüstung ist für den Mediziner auch die Tatsache, dass Gondeln immer mehr Skifahrer transportieren können, ausschlaggebend. "Dadurch kommt es zum Stau auf der Piste", meinte Klestil, und das Unfallrisiko steigt. (apa/red)
