Sonntag, 9. November 2008

Österreich erinnert an Novemberpogrom:
Muzicant warnt Politiker vor Rechtsruck

  • Gedenkveranstaltungen auch in anderen Ländern
  • In einer Nacht wurden insgesamt 30 Juden ermordet

In ganz Österreich ist bei Gedenkveranstaltungen der Opfer der Novemberpogrome 1938 gegen die jüdische Bevölkerung im "Deutschen Reich" gedacht worden. Die von den Nazis zynisch "Reichskristallnacht" genannten Pogrome jähren sich zum 70. Mal. Alleine in Österreich wurden in der Nacht auf den 10. November 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 ins KZ Dachau deportiert.

Mit einer Festveranstaltung im Palais Epstein gedachte das Parlament des Novemberpogroms vor 70 Jahren. Nationalratspräsidentin Prammer verbat sich dabei weitere Debatten über eine Abschaffung des Verbotsgesetzes. Dieses sei "mehr denn je" eine verfassungsmäßige Reaktion auf die Rolle Österreichs in der NS-Zeit und habe als klares Nein zur Verharmlosung der Gräueltaten hohen symbolischen Wert.

Muzicant warnt vor Rechtsruck
Bei einer Gedenkveranstaltung im Wiener Stadttempel ermahnte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, Österreichs Politiker, sich gerade vor der nahenden Wirtschaftskrise klar von Rechtsextremismus abzugrenzen. "Die Barbarei der Novemberpogrome ist nur erklärbar aus alldem, was vorher geschehen ist - auch wirtschaftlich." Daher sei gerade jetzt "jede Relativierung der Barbarei und jede unklare Abgrenzung zum Rechtsextremismus eine Gefahr". Muzicant erwähnte in diesem Zusammenhang die Wahl des FPÖ-Politikers und Burschenschafters Martin Graf zum Dritten Nationalratspräsidenten. Die Politik müssten alles tun, dass die Menschen "weniger Angst und mehr Hoffnung haben".

Gedenkveranstaltungen in anderen Ländern
Auch in anderen Ländern fanden Gedenkveranstaltungen statt. Deutschlands Kanzlerin Merkel mahnte in der größten Synagoge Deutschlands in Berlin ein entschlossenes Vorgehen gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein. Gleichgültigkeit sei der erste Schritt, unverzichtbare Werte aufs Spiel zu setzen, so Merkel. An einer Zeremonie in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem nahmen neben Holocaust-Überlebenden auch der deutsche und der österreichische Botschafter teil. Papst Benedikt XVI. erklärte in Rom, er hoffe, dass die Schrecken von damals die Menschen dazu ermutigten, gegen alle Formen des Antisemitismus einzutreten.

(apa/red)

9.11.2008 23:03