KMU stecken trotz Staatshaftungen in einer
Kreditklemme: Kredite sind einfach zu teuer
- Mittelständische Wirtschaft allerorts stark verärgert
- Krisenargument wird zur Gewinnerhöhung verwendet
Trotz des Bankenpakets mit Staatshaftungen sind die Institute bei Krediten noch immer sehr restriktiv. Der Ärger in der Wirtschaft steigt. Dass die Staatshaftungen für Banken diese dazu veranlassen, den Geldhahn für die Wirtschaft wieder aufzudrehen, scheint keineswegs gesichert, schreibt das Wochenmagazin "Format" in seiner aktuellen Ausgabe.
In Österreich ebenso wenig wie in den USA. Dort schrieb neulich die "New York Times" von einer klammheimlichen Vereinbarung zwischen dem Finanzminister und Großbanken, wonach - mit dem Segen Washingtons - das öffentliche Geld nicht für neue Wirtschaftskredite, sondern für die Übernahme von kleineren Banken verwendet werden darf. "Corporate America lässt grüßen", hieß es danach auf den Leserbriefseiten.
Allerorts wachsender Ärger
Aber auch hierzulande wachse der Ärger vor allem der mittelständischen Wirtschaft über die restriktive Kreditpraxis der Banken. Die halte trotz des Bankenpakets nach wie vor an. Außerdem seien die Prüfungskriterien verschärft und die Konditionen teils drastisch verschlechtert worden, so die Kritik.
Mit der Begründung der Finanz- und Kreditkrise hätten sich seit August "die Kreditzinsen merkbar verteuert", erzählt Robert Zotter, Inhaber der Zotter-Bau-Gruppe mit Sitz im obersteirischen Judenburg. "Früher wurde als Kreditzins für kleinere Unternehmen bester Bonität ein Aufschlag von etwa einem halben Prozentpunkt über Euribor (Leitzinssatz für das Interbankengeschäft, Anm.) berechnet", konstatiert Zotter. Mittlerweile seien diese Aufschläge auf einen Prozentpunkt und mehr angehoben worden - was einen Gesamtzinssatz von aktuell zwischen 6 und 7 Prozent ergibt. Wobei KMUs, die "zwar bonitätsmäßig nicht ganz so super, aber ebenfalls sauber geführt sind", nun sogar einen "Aufschlag von etwa 1,5 Prozentpunkten" hinnehmen müssten.
Sinkende Bereitschaft, Kredite zu gewähren
"Abgesehen davon sind die Anforderungen an die Kreditbesicherung spürbar hinaufgeschraubt worden, und ganz generell hat die Bereitschaft, Kredite zu gewähren, nachgelassen." Gemäß Zotters Beobachtung handeln nicht nur jene Bankinstitute so, deren Liquiditätslage sich infolge der Finanzkrise tatsächlich verschlechtert hat, sondern auch solche, die das gegenüber der Kundschaft bloß vorgeben. Bei kleinen Kreditinstituten mit starken Spareinlagen zum Beispiel. Bisweilen, so vermutet Zotter, werde das Krisen-Argument "nur benutzt, um den Gewinn heuer noch einmal hochzuschrauben".
Jürgen Keusch, Geschäftsführer des Wiener Autohauses Keusch (Toyota, Lexus), ist über das Verhalten der Banken gegenüber den Kunden aus der Wirtschaft schlicht empört. "Viele der großen Bosse haben sich verantwortungslos verhalten, und jetzt laden sie die Konsequenzen auf dem Rücken der mittelständischen Wirtschaft ab", ärgert sich Keusch. Weil die Konsumenten bei langlebigen Konsumgütern wie Autos am ehesten zu sparen beginnen, sei seine Branche besonders betroffen. Auch die Tatsache, dass die Eigenmitteldecke im Autohandel "nicht wirklich berauschend" ist, mache die Branche verwundbar - nicht zuletzt infolge der stark gestiegenen Forderungen der Autokonzerne an die Autohäuser.
"Wie soll man da in Zukunft noch arbeiten?"
Hansjörg Tengg, Ex-Chef von max.mobil und ehemaliger Konkursabwickler des Konsum, fungiert jetzt bei verschiedenen Unternehmen als Teilhaber. Tengg findet es "unzumutbar, wenn Firmen, die ein solides Geschäft haben, jetzt kaum mehr Betriebsmittelkredite kriegen. Wie soll man da in Zukunft noch arbeiten?" Die Banken sollten sich nicht zieren, sondern die Staatshilfe in Anspruch nehmen und sehr schnell wieder Kredite vergeben. Alexander Neuhuber, ÖVP-Abgeordneter im Wiener Gemeinderat und Immobilienunternehmer, warnt: "Das ist vor allem für KMUs eine irrwitzige Situation. Wir haben quasi einen Kreditstopp, viele Handwerker wissen nicht, wie sie heuer das Weihnachtsgeld zahlen sollen. Wenn das so weitergeht, kommt es im nächsten Jahr zu einer enormen Konkurswelle."
Besonders arg trifft die Knausrigkeit der Banken natürlich die Immobilienbranche. Auch Stefan Rakowsky, Vorstand der CPI-Immobiliengruppe, hat beobachtet, "dass die Banken zuletzt sehr viel restriktiver geworden sind". Von manchen würden Immobilienfinanzierungen gegenwärtig gar nicht gemacht, andere hätten ihre Konditionen um bis zu vier Prozentpunkte verteuert. "Uns trifft das nicht", betont Rakowsky, "aber die Lage ist alles andere als lustig". Selbst Großkonzerne leiden. "Wir sind für die Banken eine der ersten Adressen, denen man Geld gibt", sagt Verbund-Boss Michael Pistauer, "aber zu viel schlechteren Bedingungen". (apa/red)
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