Schwellenländer für Finanzsystem-Reform: USA sieht "gemeinsame Basis" mit EU
- Selbstregulierung der Märkte "zusammengefallen"
- EU-Leitlinien für Weltfinanzgipfel bereits besprochen

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Die wichtigsten Schwellenländer haben eine Umgestaltung des weltweiten Finanzsystems gefordert. Angesichts der globalen Bankenkrise sei eine "neue Finanzarchitektur" nötig, sagte der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva während eines Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) in São Paulo.
Die Gespräche dienten in erster Linie der Vorbereitung des Washingtoner Weltfinanzgipfels. Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten sich zuvor auf Leitlinien für das Gipfeltreffen geeinigt. Eine US-Regierungssprecherin sagte in Washington, viele Anliegen der USA fänden sich in der EU-Erklärung wieder.
Selbstregulierung der Märkte "zusammengefallen"
Angesichts der weltweiten Finanzkrise sei das blinde Vertrauen in die Selbstregulierung der Märkte "wie ein Kartenhaus zusammengefallen", sagte Lula zur Eröffnung des zweitägigen Treffens. Nun sei es Zeit für neue Regeln, die auch Schwellenländern eine größere Rolle einräumten. Bereits am Freitag hatte Brasiliens Wirtschaftsminister Guido Mantega eine Neuorganisation des Weltfinanzsystems gefordert. Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G-7) reiche nicht mehr aus, um gegen weltweite Krisen wie die derzeitige anzugehen, sagte er im Namen der Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC).
Große gemeinsame Basis
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, sprach von "einer großen gemeinsamen Basis für unsere Herangehensweise". Die USA arbeiteten seit langem daran, mit vielen anderen Ländern eine Reform der Finanzmärkte voranzubringen. "Viele dieser Anliegen finden sich in der EU-Erklärung wieder", sagte die Sprecherin. Zugleich betonte sie, der Gipfel in Washington solle auch "das Bekenntnis zu den Prinzipien des freien Marktes mit offenen und konkurrierenden Volkswirtschaften, ausgedehntem Handel, Investitionen und Kapitalfluss erneuern".
Der Chef der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham), Fred Irwin, warnte vor übertriebenen Erwartungen der Europäer an den Weltfinanzgipfel. Die Bush-Regierung sei eine "lahme Ente". Sie werde nur versuchen, nicht zu sehr als Buhmann dazustehen", sagte Irwin dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). "Mit Sicherheit" werde nicht die von den Europäern gewünschte globale Finanzaufsicht beschlossen. "Weder Bush noch Obama werden dem zustimmen", sagte der Vorstand der Citigroup Global Markets. Banken seien ohnehin bereits die am meisten regulierte Branche der Welt.
EU-Leitlinien für den Weltfinanzgipfel
Zuvor hatten auch die EU-Staaten über ihre Leitlinien für den Weltfinanzgipfel am 15. November beraten. Sie einigten sich unter anderem darauf, 100 Tage nach dem ersten Gipfel ein zweites Spitzentreffen einzuberufen, um erste Fortschritte zu bewerten. Nach Angaben des französischen Präsidenten und amtierenden EU-Ratsvorsitzenden, Nicolas Sarkozy, einigten sich die Staats- und Regierungschefs in Brüssel zudem auf eine verstärkte Finanzmarktaufsicht und eine größere Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF).
(apa/red)

