Sonntag, 9. November 2008

Chef des Wifo drängt auf weitere Schritte:
Steuerreform ist für Aiginger mangelhaft

  • 2,2 Millionen Euro Lohnsteuersenkung sind zu wenig
  • Ein "Sicherheitsschirm" gegen internationale Krise

Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Karl Aiginger hofft, dass der von der Koalition angekündigten Steuerreform weitere Schritte folgen. Für eine wirkliche Reform der Steuerstrukturen seien die nun vorgeschlagenen 2,2 Mrd. Euro Lohnsteuersenkung nämlich zu wenig. "Es ist nicht möglich, mit diesem Geld mehr als die Inflation auszugleichen", betont Aiginger im Gespräch mit der APA.

Er wünscht sich zusätzlich noch Anreize für mehr Forschung und Entwicklung, die Senkung der Lohnnebenkosten und Anreize zum Energiesparen. Das Wifo hat dazu Mitte Oktober eine Reihe von Möglichkeiten vorgeschlagen - unter anderm die Gegenfinanzierung einer starken Senkung von Lohnsteuer und Sozialabgaben durch Öko-und Vermögenssteuern sowie höhere Forschungsprämien für Unternehmen.

"Sicherheitsschirm"
"Aus konjunktureller Hinsicht begrüßen wir natürlich, dass im Jahr 2009 sehr viel geschieht", betont Aiginger mit Blick auf Lohnsteuersenkung und Konjunkturpakete. Das biete einen "Sicherheitsschirm" gegen die internationale Krise. "Das Negative ist, dass es dabei keine Strukturveränderungen gibt", kritisiert Aiginger.

Um die Beschäftigung zu forcieren schlägt der Wifo-Chef insbesondere die Senkung der Lohnnebenkosten vor. "Wir haben derzeit bei sehr niedrigem Einkommen eine Gesamtbelastung von 40 Prozent aus Steuern und Sozialversicherung. Das ist ungewöhnlich und beschäftigungshemmend. Das müsste reduziert werden", so Aiginger. Daher müsste die Steuerreform seiner Meinung nach auch bei den Sozialversicherungsbeiträgen ansetzen.

Außerdem glaubt Aiginger nicht daran, dass eine Lohnsteuersenkung um 2,2 Mrd. Euro ausreicht, um die Abgabenquote mittelfristig zu senken. "Wir wollen dass die Abgabenquote sinkt und nicht steigt", so der Wifo-Chef.
(apa/red)

9.11.2008 13:17