Finanzberater - Die Buhmänner der Krise:
Branche gerät immmer mehr unter Druck
- FORMAT: Finanzdebakel trifft Berater besonders hart
- Konzerneinbrüche, Kontrollen und Klagen sind Folge
·EU-Sondergipfel zur brisanten Finanzkrise
Union will Vorreiterrolle bei Neuordnung spielen
·"Die Dummen soll
man nicht belohnen"
Harry M. Markowitz im Interview mit FORMAT

Klaus G. ist verzweifelt. Auf seinem Bankdepot liegen nur noch 20.000 Euro, mit denen er die nächsten dreieinhalb Jahre das Auslangen finden muss. Denn erst dann wird seine Firmenpension fällig. Zusätzliche Verdienstmöglichkeiten hat der ehemalige AUA-Pilot nicht, denn er hat eine schwere Nierenerkrankung und hängt an der Dialyse. Dabei schien Mitte 2007 die finanzielle Zukunft des 53-Jährigen gesichert: Die AUA hatte ihm in Form eines Golden Handshakes 311.000 Euro ausgezahlt genug, um fünf Jahre bis zur Penison über die Runden zu kommen. Innerhalb von nur eineinhalb Jahren waren 311.000 Euro auf 20.000 geschmolzen. G. sieht sich aber nicht bloß als Opfer der Finanzkrise, sondern auch als Opfer von Fehlberatung.
Ich habe meinem Freund, einem AWD-Berater, 200.000 Euro gegeben und gesagt, das darf auf keinen Fall weniger werden. Ich habe ihm voll und ganz vertraut. Der Freund steckte das ganze Geld in Immobilienaktien, in erster Linie in die Immofinanz. Schwere Verluste waren die Folge. Als das Ausmaß der Misere klar wurde, begab sich der Freund auf Tauchstation. Jetzt sind die Anwälte am Wort, am 21. November wird der Fall vor dem Handelsgericht Wien verhandelt.
Beschwerden häufen sich
Fälle wie dieser sind in Krisenzeiten wie heute kein Einzelfall. Beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) steht das Telefon seit der Ankündigung, gegen AWD in Sachen Immofinanz vorgehen zu wollen, nicht mehr still. Wir sind jedenfalls schon bei einer dreistelligen Zahl von Beschwerden angelangt, berichtet Peter Kolba vom VKI. Die Probleme sind überall die gleichen: Aktien oder Fonds seien als bombensicheres Investment, in manchen Fällen gar als mündelsicher dargestellt worden. Eine Streuung des Portfolios habe es nicht gegeben, auf das Risiko sei nur am Rande oder gar nicht hingewiesen worden. Den Konsumenten wird vom Berater eine Sicherheit vorgespielt, die in erheblichem Widerspruch zur Realität steht, berichtet der Grazer Anwalt Harald Christandl, der bereits in Sachen AMIS, Meinl, AvW und Immofinanz für Anleger tätig ist. Auch der Liezener Anwalt Erich Holzinger, der Anleger in Sachen AvW berät, berichtet: Begriffe wie größtmögliche Sicherheit, sparbuchgleich und mündelsicher hört man immer wieder.
Super-GAU für Marktführer?
Besonders stark unter Druck geraten ist durch den Kursverfall bei Immoeast und Immofinanz vor allem der AWD. Bei dem Finanzoptimierer, wie er sich selbst nennt, fühlt man sich angesichts des aktuellen Problems hingegen in einer komfortablen Lage. Mir sind nur sechs konkrete Beschwerdefälle bekannt. In all diesen Fällen sind unterschriebene Gesprächsprotokolle vorhanden. Ich schließe Beratungsfehler aus, gibt sich der neue AWD-Österreich-Chef Kurt Rauscher selbstsicher. Brancheninsider bezeichnen die Causa Immofinanz für den AWD, Marktführer unter den unabhängigen Finanzberatern, aber als Super-GAU.
Geht man von nur einem Prozent Fehlberatung aus, dann wären das für den AWD immer noch rund tausend Fälle, rechnet ein Finanzberater mit AWD-Background vor. Denn der unabhängige Finanzberater soll in der Vergangenheit rund ein Drittel aller Immofinanz-Aktien vertrieben haben, Brancheninsider sprechen von einer zumindest sechsstelligen Kundenzahl. Genau dieses Klumpenrisiko soll auch dem früheren AWD-Österreich-Chef Wolfgang Prasser zum Verhängnis geworden sein, ist zu hören. Obwohl offiziell stets von einem freiwilligen Rückzug des Langzeit-AWD-Chefs gesprochen wurde, ist im Firmenbuch von einer Abberufung des Geschäftsführers die Rede.
Mehr Kontrollen, härtere Strafen
Für jene Anbieter, die nach der Finanzkrise und zahlreichen Prozessen noch übrig bleiben, wird das Leben auch nicht unbedingt leichter: Die FMA will den Beratern in Zukunft nämlich noch genauer auf die Finger schauen und bei mindestens 30 Unternehmen pro Jahr Vor-Ort-Prüfungen durchführen. Außerdem fordert sie härtere Strafen für schwarze Schafe. Nach Gesetzesänderungen für Finanzberater rufen auch andere: Das System des Strukturvertriebs müsste untersagt werden, und die Qualität der Anlageberater müsste entscheidend verbessert werden, fordert Anwalt Christandl.
Die ganze Story lesen Sie im FORMAT 45/08!

