Samstag, 8. November 2008

"Bezahlter Präsident wäre eine Variante":
ÖFB-General Ludwig über Nachfolgerprofil

  • Wiener selbst gilt als Anwärter auf das Chef-Amt
  • Alfred Ludwig: "Brückner hat einen gültigen Vertrag"

Nach dem überraschenden Rücktritt von Friedrich Stickler als Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes hat für den Verband die Suche nach einem neuen Vorsitzenden begonnen. Entscheidend in dieser Personalfrage dürfte sein, ob es künftig tatsächlich wie von Stickler gefordert einen hauptamtlichen Chef oder wie bisher einen ehrenamtlichen Präsidenten geben wird.

"Ein bezahlter Präsident wäre eine Variante, so etwas gibt es zum Beispiel in Schweden oder Spanien. Wenn es in diese Richtung geht, muss man sich fragen, welche Aufgaben er übernimmt, denn nur zum Repräsentieren brauche ich keinen hauptamtlichen Präsidenten", sagte ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig.

Sollte es zu dieser Lösung kommen, wäre wohl Ludwig selbst ein seriöser Anwärter. "Aber für mich stellt sich diese Frage nicht, weil dieses Thema intern überhaupt noch nicht entschieden ist. Und ein Wenn und Aber gibt es nicht", betonte der Wiener, nach dessen Angaben der neue ÖFB-Präsident "bis Anfang Jänner" feststehen soll.

Keine politische Besetzung erwünscht
Bestimmt wird er vom ÖFB-Wahlausschuss, in der je ein Vertreter jedes Landesverbandes sowie ein Mitglied der Bundesliga sitzt. "Möglicherweise tritt das Gremium schon am Tag nach dem Türkei-Länderspiel am 19. November, vielleicht aber auch erst die Woche darauf zum ersten Mal zusammen", meinte Ludwig und beschrieb das Anforderungsprofil des künftigen höchsten Fußball-Funktionärs. "Es sollte jemand sein, der eine persönliche Beziehung zum Fußball hat, der sich gut im Wirtschaftsleben auskennt und gute Kontakte in alle Richtungen hat. Auf keinen Fall sollte es eine politische Besetzung werden."

Den scheidenden Verbandschef schätzte Ludwig als "cleveren Botschafter. Er hat gut agiert, was die EURO 2008 betrifft. Seine große Stärke war die Sportdiplomatie, er war wirtschaftlich umsichtig, hat sehr darauf geschaut, dass die wirtschaftliche Entwicklung des ÖFB in geordneten Bahnen verläuft und hat seinen Mitarbeitern Freiraum gelassen. Bei einigen sportlichen Entscheidungen war er aber etwas glücklos."

Ludwig erfuhr nach eigenen Angaben von Sticklers Rücktritts-Absichten erst unmittelbar vor Sitzungsbeginn, "und auch danach habe ich während der Sitzung gehofft, dass er es sich noch einmal überlegt. Für uns alle ist das wie aus heiterem Himmel gekommen. Als er es dem Präsidium gesagt hat, war es einmal eine Minute lang ruhig".

Brückner müsse nicht um Job bangen
Auch wenn Teamchef Karel Brückner mit Stickler sein wohl größter Unterstützer abhandengekommen ist - der Tscheche muss laut Ludwig dennoch nicht um seinen Job bangen. "Brückner hat einen gültigen Vertrag. Er ist in der Präsidiumssitzung bestätigt worden, also gibt es über dieses Thema nichts zu diskutieren."

Einiges zu besprechen gibt es hingegen mit den Teamspielern nach deren jüngster öffentlichen Kritik an der Abreise-Organisation von den Färöern. "Das Treffen mit ihnen wird rund um das Türkei-Spiel stattfinden, ein genauer Termin muss noch festgelegt worden sein", meinte Ludwig, nach dessen Angaben auch Liga-Boss Martin Pucher daran teilnehmen könnte.
(apa/red)

8.11.2008 15:51