Seine Karriere als Präsident des ÖFBs: Sportliche Highlights blieben bei Stickler aus
- Nur organisatorische Erfolge auf Sticklers Habenseite
- Seit 80er-Jahren organisatorisch im Fußball tätig

Die Regentschaft von Friedrich Stickler als Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) ist am Freitag nach genau sechs Jahren und sieben Monaten überraschend zu Ende gegangen. Auf der Habenseite des Wieners steht die perfekt organisierte EURO 2008, schwerer wiegen aber die verpassten Teilnahmen an der EM 2004 und WM 2006 sowie das Gruppen-Aus bei der Heim-EM.
Auch die Chancen auf einen Start bei der WM-Endrunde 2010 in Südafrika sind schon nach vier Partien nur noch theoretischer Natur - und das, obwohl Stickler nach der Heim-EM den international renommierten Tschechen Karel Brückner als Teamchef holte.
Öffentliche Kritik
Genau diese Entscheidung könnte ein gewichtiger Grund für den Rücktritt Sticklers gewesen sein, schließlich sah sich Brückner zuletzt mit scharfer Kritik konfrontiert, und mit seiner "Teamchef-Erfindung" geriet auch Stickler selbst unter Druck. Wenn er auch berufliche Gründe für seinen Rückzug angab, so wird wohl auch das teilweise öffentliche Murren mancher Landeschefs einen Beitrag zu seinem Handeln geleistet haben.
Amtszeit bis 2010
Dabei wäre Sticklers Amtszeit bis 2010 gelaufen, und in der UEFA befand sich der 59-Jährige zudem auf Aufstiegskurs. In diesem Jahr saß er als kooptiertes Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee und hatte seriöse Chancen, dem höchsten Gremium der europäischen Fußball-Union ab kommendem Jahr fix anzugehören.
Seine ÖFB-Karriere
Seine Funktionärs-Tätigkeit im Fußball begann bereits in den 1980er-Jahren. Stickler saß damals aufgrund seiner Tätigkeit bei den Österreichischen Lotterien in der BNZ-Kommission. Parallel dazu machte der Diplom-Ingenieur (Absolvent der BOKU Wien, in Salzburg studierte er obendrein Jus bis zur zweiten Staatsprüfung) auch erstmals Bekanntschaft mit der UEFA, verhandelte er doch für die europäischen Lotterien mit der europäischen Fußball-Union bezüglich des Intertoto-Cups.
Schon wenig später wechselte er die Seiten und übernahm den Vorsitz der UI-Cup-Kommission der UEFA, in der er langsam immer mehr Fuß fasste. Richtig ins Rollen kam seine Fußball-Funktionärs-Karriere im April 2002, als er Beppo Mauhart als ÖFB-Präsident beerbte. Wenig später kürte ihn die UEFA zum Vorsitzenden der Clubbewerbs-Kommission.
Seine größte Stunde
Sticklers größte Stunde im ÖFB schlug am 12. Dezember 2002 in Genf: Österreich erhielt gemeinsam mit der Schweiz den Zuschlag für die EURO 2008. Weitere Highlights in seiner Amtszeit waren laut Stickler die Erfolge im Nachwuchsbereich, vor allem der vierte Platz bei der U20-WM im vergangenen Jahr in Kanada.
Auf A-Team-Ebene blieben sportliche Triumphe aber aus, auch der misslungene Rekrutierungsversuch von Steffen Hofmann für das österreichische Nationalteam war kein Ruhmesblatt für den Verbandschef. Nach dieser Aktion im Sommer 2005 sowie wenige Monate später nach dem Rauswurf von Teamchef Hans Krankl und der Festlegung auf Josef Hickersberger als künftigen Nationalcoach - einen Tag vor dem Champions-League-Spiel des damaligen Rapid-Betreuers mit den Hütteldorfern gegen Juventus Turin - wurde erstmals Kritik an Sticklers Führungsstil laut, der sich von jenem seines oft polternden Vorgängers Mauhart stark unterscheidet.
Dem Wiener wurde unter anderem vorgehalten, oft zu zögerlich zu agieren, was beim ÖFB-Chef allerdings auf Unverständnis stößt. "Ich habe einen Management-Stil, den ich bei den Lotterien seit 20 Jahren wie ich glaube erfolgreich umsetze. Man muss nicht immer poltern und schreien, um seinen Willen zu artikulieren", beschrieb Stickler sein Credo.
Vorwurf der Eitelkeit
Mit dem Vorwurf der Eitelkeit kann Stickler ebenso wenig anfangen. "Das ist ein Quatsch. Ich bin weder eitler noch uneitler als andere." Auf seine körperliche Verfassung zu achten sei ihm schon seit jeher ein Anliegen gewesen.
Stickler, der seit Oktober 2007 mit der deutschen Ärztin Berit Schneider verheiratet ist (eine Tochter und ein Sohn entstammen einer früheren Beziehung), war in seiner Jugend nach eigenen Angaben zwar ein guter Leichtathlet, aber kein begnadeter Fußballer. "Ich war zwar sehr schnell, aber nicht sehr erfolgreich mit dem Ball", erinnerte sich der scheidende ÖFB-Präsident an seine Zeit in Schulmannschaften als linker Flügel.
Bei einem Fußball-Verein war er nie engagiert. "Aber ich war immer leidenschaftlicher passiver Fußballer", betonte er. Als sein persönliches "Initiations-Erlebnis" bezeichnet der Wiener den Besuch eines in den 1950er-Jahren traditionellen Osterturniers, an dem Wiener und Budapester Spitzenclubs teilnahmen. Die Atmosphäre im mit rund 80.000 Zuschauern gefüllten Prater-Stadion sei für ihn als kleinen Buben dermaßen beeindruckend gewesen, dass er sich der wichtigsten Sportart der Welt fortan tief verbunden fühlte.
(apa/red)
