Montag, 10. November 2008

Rapid schießt sich auf Wiener Derby ein:
5:1-Heimsieg vs. Altach als Moralinjektion

  • Nikica Jelavic rechtzeitig für das Derby in Topform
  • Sturm-Coach über Sieg gegen Kapfenberg erleichtert

Der SK Rapid hat sich für das Wiener Fußball-Derby auswärts gegen die Austria warmgeschossen. In Anbetracht des dürftigen Niveaus des Gegners hatte das 5:1 im Hanappi-Stadion gegen Schlusslicht Altach zwar nur besseren Testspiel-Charakter, Trainer Peter Pacult freute sich dennoch über eine Moralinjektion vor dem Duell mit den "Veilchen".

"Das Derby hat eigene Gesetze, da hat es noch nie einen Favoriten gegeben. Aber es ist immer besser, man fährt mit einem Erfolgserlebnis hin als mit einer Niederlage", erklärte der Wiener, dessen Truppe wieder drei Punkte hinter Spitzenreiter Salzburg liegt, mit Hinweis auf das 1:5 der Austria in der Mozartstadt.

Jelavic in Topform
Zusätzlich optimistisch stimmt Pacult die aktuelle Form des Dreifach-Torschützen Nikica Jelavic. Der im Sommer vom belgischen Club Zulte-Waregem verpflichtete Kroate erzielte seine ersten vier Tore für die Hütteldorfer in den jüngsten beiden Partien und verschafft dem Rapid-Trainer dadurch mehr Handlungsspielraum im Angriff, wo Erwin Hoffer in den vergangenen Wochen schwächelte und Rene Gartler seit Monaten mit Verletzungen zu kämpfen hat.

Für Pacult kam die Leistungsexplosion von Jelavic nicht überraschend. "Man muss jedem Spieler Zeit geben. Für ihn war auch die Umstellung nicht leicht, in Belgien musste er fast mehr Verteidiger als Stürmer spielen", betonte der 49-Jährige und attestierte dem 23-Jährigen eine hervorragende Trainingseinstellung.

Der Aufschwung von Jelavic könnte aber auch private Gründe haben, schließlich erfuhr der in Kroatien "Fliegende Festung" genannte Angreifer erst vor zehn Tagen, dass seine Frau Dajana ein Kind erwartet. "Das heißt jetzt aber nicht, dass ich immer drei Tore schieße", schmunzelte der Stürmer, der mit zwei Aluminium-Treffern Pech hatte und seinen Formanstieg auch darauf zurückführte, dass er erstmals seit Monaten wieder völlig fit ist.

Maierhofer hält bei 12 Toren
Sein Sturm-Partner Stefan Maierhofer trug sich immerhin zweimal in die Schützenliste ein und hält damit bei zwölf Saison-Toren in der Liga, verlor aber dennoch an Boden auf Marc Janko, der sein Torkonto gegen die Austria auf 20 erhöht hatte. "Für jedes Tor, das Marc schießt, kriegt er einen Schlecker von mir. Ich lasse mich überraschen, was er mir schenkt", meinte der Niederösterreicher. Zuvor war er beim Torjubel mit einem eigenwilligen "Tattoo-Strumpf" auf dem Arm (ein Geschenk von Mario Feurer, Sohn von Ex-Rapid-Goalie Herbert Feurer) aufgefallen.

Weniger zum Scherzen war Altach-Trainer Urs Schönenberger zumute. "Wenn wir früh ein, zwei Tore kassieren, bekommen wir immer gleich eine Klatsche. Das gefällt mir nicht, denn am Schluss könnte das Torverhältnis entscheidend sein." Bei seiner Mannschaft ortete der Schweizer auch aufgrund von vielen Verletzungen ein Fitnessproblem.

"Müssen mehr nach vorne machen"
Zum Glück für die Vorarlberger kommen auch die Kapfenberger nicht aus dem Tabellenkeller. Nach dem 0:2 in Graz gegen Sturm beträgt der Vorsprung der Steirer auf den Letzten nach wie vor nur zwei Punkte. "Wir sind hinten stabil gestanden, aber nach vorne fehlt uns die Qualität. Wir sind jetzt in den kommenden Spielen gefordert, mehr nach vorne zu machen", sagte Kapfenberg-Betreuer Werner Gregoritsch, dessen Präsident Erwin Fuchs mit vier Punkten aus den anstehenden beiden Partien gegen Mattersburg (daheim) und Altach (auswärts) kalkuliert.

Foda über Arbeitssieg erleichtert
Bei Sturm-Trainer Franco Foda war die Erleichterung über den Arbeitssieg groß. "Wir haben zahlreiche Chancen nicht genutzt und sind dadurch selbst in Schwierigkeiten gekommen. Kapfenberg war defensiv sehr organisiert und ist gut gestanden. Ich bin mit dem 2:0 zufrieden, die Mannschaft hat die Geduld nicht verloren", analysierte der Deutsche nach der Festigung des dritten Platzes.

Zumindest vorläufig auf Rang fünf blieb Austria Kärnten nach einer torlosen Partie in Mattersburg, wo beide Teams Chancen auf den Sieg hatten. "Beide Trainer können mit den Torleuten, aber nicht mit der Chancenauswertung zufrieden sein", sagte Kärnten-Betreuer Frenkie Schinkels und sein Mattersburger Gegenüber Franz Lederer ergänzte: "Wir hatten ein bisschen mehr Chancen. Jancker und Naumoski hätten heute ein Tor machen müssen."

SK Rapid Wien - Cashpoint SCR Altach Endstand 5:1 (2:0)
Hanappi-Stadion, 16.900 Zuschauer, SR Manfred Krassnitzer

Torfolge:
1:0 ( 8.) Jelavic
2:0 (15.) Jelavic
3:0 (54.) Maierhofer
3:1 (59.) Ailton (Foulelfer)
4:1 (66.) Jelavic
5:1 (82.) Maierhofer

Rapid: Lukse - Dober, Tokic, Patocka (58. Eder), Ketelaer - Hofmann, Heikkinen, Boskovic, Kavlak (76. Drazan) - Jelavic (79. Hoffer), Maierhofer

Altach: Michl - Mimm, D. Sereinig (62. Pircher), Stückler, Kling - Karatay, Guem, Ze Elias, Schoppitsch (64. Jagne) - Ailton, Mattle (70. Ademi)

Gelbe Karten: Keine bzw. Ze Elias, Schoppitsch, Stückler
(apa/red)

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10.11.2008 11:48