Federer setzt Segel für den 5. Masters-Titel:
Shanghai-Sieg hätte historische Dimension
- Federer trifft zunächst auf Murray, Roddick & Simon
- Schweizer profitiert von dem Ausfall Rafael Nadals
Roger Federer hat einmal mehr die Chance, Tennis-Geschichte zu schreiben: Der 27-jährige Weltranglisten-Zweite ist Topfavorit beim ATP-Masters-Cup in Shanghai und könnte als dritter Spieler nach Pete Sampras und Ivan Lendl das Saisonabschluss-Turnier zum fünften Mal gewinnen. Sollte er sich nach 2006 und 2007 erneut den Siegerscheck holen, wäre er erst der zweite Spieler nach Lendl, dem ein Hattrick gelingt. Vor allem könnte er die Grundlage zur Rückkehr auf den Tennis-Thron 2009 legen.
Erleichtert wird die Aufgabe für den Schweizer sicherlich durch die Tatsache, dass Rafael Nadal wegen einer Knieverletzung abgesagt hat. Der Spanier will unbedingt für das Davis-Cup-Finale vom 21. bis 23. November in Argentinien fit werden, kämpft aber auch da gegen die Zeit. Federer muss sich in Gruppe Rot mit den beiden Andys, Andy Murray (GBR) und Andy Roddick (USA), sowie dem Franzosen Gilles Simon messen, in der Gruppe Gold treffen Novak Djokovic (SRB), Nikolaj Dawydenko (RUS), Jo-Wilfried Tsonga (FRA) und Juan Martin Del Potro (ARG) aufeinander.
Zwar hat Federer vergangene Woche in Paris sein Viertelfinale gegen James Blake (USA) wegen einer Rückenverletzung abgesagt, doch bis kommenden Montag, wenn er sein erstes Gruppen-Spiel gegen Nadal-Ersatzmann Gilles Simon bestreitet, sollte er wieder völlig fit sein. "Ich war beim letzten Turnier des Jahres sehr erfolgreich", blickte Federer schon nach seinem Titel in Basel in Richtung Shanghai. "Ich habe gezeigt, dass ich noch etwas im Tank habe", so der Eidgenosse. Indoor und Hartplatz seien zudem kein Nachteil für ihn.
Federer kann Distanz zu Nadal verringern
Mit jedem Sieg kann Federer im ATP-Ranking den Abstand zu Nadal, der ihm heuer den Rang als Nummer 1 abgelaufen hat, verringern. Und sollte der Schweizer das Turnier gewinnen, hat er schon im Jänner bei den Australian Open die Chance, wieder am Mallorquiner vorbeizuziehen.
Von seinen Gruppen-Gegnern gilt derzeit wohl Andy Murray als schärfster Widersacher. Der Brite, der heuer den Durchbruch in die absolute Weltspitze geschafft hat, kommt in Topform nach Shanghai. Der Weltranglisten-Vierte hat das Masters-Series-Turnier in Madrid und in St. Petersburg gewonnen und stand zuletzt in Paris im Viertelfinale. "Seit Wimbledon spiele ich das beste Tennis meines Lebens. Hoffentlich kann ich so weitermachen", meinte der 21-jährige US-Open-Finalist im Vorfeld.
Die Gruppe Gold beginnt zunächst ihre Round Robin. Novak Djokovic eröffnet das mit 4,45 Millionen Dollar dotierte Turnier gegen Juan Martin del Potro, danach trifft Nikolaj Dawydenko auf den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga. Wobei del Potro nach wie vor mit einer Zehenverletzung kämpft, die ihn schon bei der BA-Trophy in Wien vor dem Achtelfinale zur Aufgabe gezwungen hatte. Schwerarbeiter Dawydenko hat in bisher drei Masters-Auftritten nur einmal die Gruppenphase überstanden und das Semifinale erreicht.
Tsonga will auch Frankreich repräsentieren
Auf einer Erfolgswelle "reitet" Australian-Open-Finalist Tsonga nach China ein, der 23-jährige Franzose ist frischgebackener Paris-Sieger. "Ich fahre dorthin, um Frankreich, meine Familie und Freunde zu repräsentieren und ich werde mein Bestes geben. Das ist alles", meinte Tsonga lapidar.
Auch der Doppel-Masters-Cup geht in Shanghai wieder in Szene, diesmal ohne österreichische Beteiligung: Im Vorjahr hatte Julian Knowle an der Seite seines schwedischen Partners Simon Aspelin nicht nur als erster Österreicher ein Doppel-Masters erreicht, das Duo war sensationell sogar bis ins Finale vorgestoßen. Shanghai ist zum vierten und letzten Mal Schauplatz des ATP-Saisonendes, 2009 kehrt der Masters Cup als "ATP-World-Tour-Finale" nach Europa zurück. Vier Jahre lang wird in der O2-Arena in London gespielt.
(apa/red)

