Hilfsorganisationen wollen engeren Dialog:
Forderungspaket an die künftige Regierung
- Bessere Armutsbekämpfung als zentrale Forderung
- Gelder für Entwicklungshilfe sollen erhöhen werden

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) hat ihren Forderungskatalog an die künftige Bundesregierung präsentiert und erwartet sich einen stärkeren Dialog zwischen Regierung und Hilfsorganisationen. "Wir dürfen nicht nur das schlechte Gewissen sein", erklärte Volkshilfe-Präsident Josef Weidenholzer in der Pressekonferenz. Zu den zentralen Forderungen der BAG, die aus Caritas, Diakonie, Volkshilfe, Hilfswerk und Rotem Kreuz besteht, gehören etwa eine verbesserte Armutsbekämpfung.
BAG-Vorsitzender und Caritas-Präsident Franz Küberl forderte die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden und auf mehrere Jahre fixierte Leistungsverträge, da die Hilfsorganisationen "nur mit einem klaren Finanzierungsmodus auch planen können". Bezüglich der Kinderbetreuung erwarte sich Küberl die Schließung von Angebotslücken, um gezielt auf die Bedürfnisse von berufstätigen Eltern einzugehen. Weidenholzer weist auf die Verpflichtung des Staates gegenüber der armutsgefährdenden Bevölkerung hin. "Arbeit schützt längst nicht mehr vor Armut", erklärt der Volkshilfe-Präsident und fordert die Umsetzung der bedarfsorientierten Mindestsicherung sowie eine Erhöhung der Mittel für eine aktive Arbeitsmarktpolitik.
Pflegegeld an Verbraucherpreisindex binden
Die Valorisierung des Pflegegeldes, also eine Bindung an den Verbraucherpreisindex, fordert der Präsident des Hilfswerk, Othmar Karas. Er erhofft sich ein gesellschaftliches Umdenken hinsichtlich pflegebedürftiger Menschen: "Es kann nicht sein, dass man ein Sozialfall werden muss, um Anspruch auf Pflege zu erhalten." Weiters sollte es einen nationalen Pflegeaktionsplan geben, um Unterschiede zwischen den Bundesländern aufzuheben.
Der Direktor der evangelischen Diakonie, Michael Chalupka, setzte das Thema Integration in den Mittelpunkt: "In den letzten 15 Jahren wurden Ausländer nur als Problem gesehen, Österreich hat eine Abschottungspolitik betrieben." Seiner Ansicht nach muss die Integration weg aus dem Innenministerium. Ob ein Staatssekretariat oder ein eigenes Ministerium in Zukunft dafür zuständig sein sollten, ließ er offen. Eine wirksame Aufenthaltsverfestigung, Religionsfreiheit und vor allem eine allen zugängliche Bildung seien Aspekte, die "eine Zukunft ohne Herkunft" ermöglichen können, so Chalupka.
Gelder für Entwicklungshilfe erhöhen
Dass auch außerhalb "des österreichischen Horizonts" Handlungsbedarf besteht, erklärte der Generalsekretär der Roten Kreuz, Wolfgang Kopetzky. Die Gelder für Entwicklungszusammenarbeit müssten erhöht werden, um die UNO Millenniumsziele noch erreichen zu können. Weiters soll ein Auslandskatastrophenfonds eingerichtet werden. "Letztendlich geht es aber um Hilfe zur Selbsthilfe", so Kopetzky.
(apa/red)
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