Freitag, 7. November 2008

Zu wenig Gelder für Alzheimer-Forschung:
Charity-Ball soll neue Datenbank finanzieren

  • Rund 100.000 Österreicher von Demenz betroffen
  • Daten wichtig für Diagnose, Behandlung und Therapie

Rund 100.000 Menschen leiden in Österreich an Demenz. Die meisten davon an Morbus Alzheimer. Doch genaue Daten über die klinische, psychische und soziale Situation der Betroffenen gibt es nicht. Die Zahlen stammen aus Schätzungen. Das soll sich ändern. Die Österreichische Alzheimer-Gesellschaft finanziert mit einem Charity-Ball den Aufbau einer österreichischen Datenbank (PRODEM-Austria).

"Ohne eine solche Datenbank sind wir wissenschaftlich international an den Rand gedrückt", erklärte der Wiener Spezialist Peter Dal-Bianco (Universitätsklinik für Neurologie der MedUni-Wien/AKH).

14 Kliniken an Projekt beteiligt
Der Präsident des vergangenen Jahres der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft weiter: "Mit dem Charity-Ball 'Memories2008' wollen wir die Finanzierung des Datenbankprojekts erreichen. Die 14 Memory-Kliniken Österreichs sollen die Informationen ihrer Patienten dort sammeln. Erst dadurch werden Planungen zur Therapie, zur Diagnose, zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung in einem späteren Stadium und Auswertungen zur sozialen und psychosozialen Situation der Betroffenen möglich."

Genehmigung steht noch aus
Das Datenbankprojekt muss von den Ethikkommissionen genehmigt werden. Die Stellungnahmen waren bisher positiv. Für das Projekt wären 980.000 Euro notwendig. Die Informationen von rund 3.000 Patienten sollen aufgenommen werden und dann für Analysen im Rahmen wissenschaftlicher Studien bereit stehen. Man will das binnen drei bis fünf Jahren erreichen.

Dal-Bianco: "Die US-Regierung investiert jährlich mehr als eine Milliarde Dollar (641 Mio. Euro) in die Alzheimerforschung. Die American Alzheimer Association kann jährlich 600 Millionen US-Dollar (384 Mio. Euro) an Forschungsgeldern vergeben. Auch in europäischen Ländern, wie zum Beispiel England, zählt mentale Gesundheit zu einem der fünf staatlich meistgeförderten Forschungsbereiche. Trotzdem werden in England für jeden Alzheimer-Kranken nur acht Euro an Forschungsgelder pro Jahr investiert. Die ausgeschütteten Finanzierungen im Bereich Alzheimerforschung in Österreich sind aber bei weitem geringer. Es besteht Handlungsbedarf. Österreich braucht dringend eigene Daten zu Demenzerkrankungen, um als Partner bei internationaler Forschung mitwirken zu können."

(apa/red)

7.11.2008 13:22