Montag, 27. Oktober 2008

Mohamad Khatami zu Gast in Österreich:
Irans Ex-Präsident über die Lage in Nahost

  • Atomprogramm, Verhältnis zu EU und Finanzkrise
  • Anti-iranischer Protest gegen Auftritt in der Uni

Die gegenwärtige Lage im Iran einschließlich der Problematik um das iranische Atomprogramm war Thema einer Unterredung von Bundespräsident Heinz Fischer und dem früheren iranischen Staatspräsidenten Mohamad Khatami, die in der Hofburg stattfand. Zur Sprache gekommen seien ferner die Entwicklungen in der Region und im Nahen Osten sowie die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Iran, erklärte der Sprecher des Bundespräsidenten, Bruno Aigner, gegenüber der APA. Ferner sei die weltweite, von den USA ausgegangene Finanzkrise erörtert worden.

Der frühere iranische Präsident, der als gemäßigt galt und unmittelbarer Vorgänger des heutigen, radikal agierenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad ist, hält anlässlich seines Österreich-Aufenthalts Vorträge als schiitischer islamischer Geistlicher. Nach der Zusammenkunft mit Fischer referierte er an der Universität Wien im Rahmen der Reihe "Weltethos und Recht". Die Israelitische Kultusgemeinde protestierte gegen diesen Auftritt eines Vertreter eines Regimes, das "den Holocaust relativiert und Drohungen gegen Israel richtet", in einem offenen Brief.

Im Rahmen des Feierlichkeiten "35 Jahre Dialoginitiative St. Gabriel" in der Wiener Akademie der Wissenschaften hatte Khatami am Samstag das Ziel eines Dialogs als "Frieden auf der Basis der Gerechtigkeit" definiert. Frieden sei nur dann möglich, "wenn er auf Gerechtigkeit" aufgebaut werde. Der Bundespräsident eröffnete den Festakt, weitere Festredner waren Wissenschaftsminister Johannes Hahn und der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn. Fischer meinte, ein "fruchtbarer Dialog" sei nur dort möglich, wo eigene Identitäten füreinander geöffnet werden.

Wie am Samstag vor der Akademie der Wissenschaften kam es auch am Montag am Veranstaltungsort, der Universität Wien, zu einem Protest gegen das Auftreten des iranischen Ex-Präsidenten. Vor und in der Universität versammelten sich nach deren eigenen Angaben rund 60 Aktivisten des Bündnisses "Stop the Bomb", das sich gegen Geschäfte mit dem Iran stellt. An der Demonstration waren laut einer Aussendung von "Stop the Bomb" auch Vertreter der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran und weiterer Gruppen beteiligt.
(apa/red)

27.10.2008 14:46