Mittwoch, 15. Oktober 2008

Der Dieselboom geht in Österreich zu Ende:
2009 werden erstmals mehr Benziner fahren

  • In allen Bundesländern sinkt Anteil der Diesel-Pkw
  • Angleichung der Mineralölsteuer von Diesel an Benzin

Eine aktuelle VCÖ-Untersuchung zeigt, dass heuer in allen Bundesländern der Anteil an Diesel-Pkw bei Neuwagen deutlich zurückgegangen ist. Insgesamt fahren 55,2 Prozent der Neuwagen mit Diesel, im Jahr 2004 betrug der Anteil noch mehr als 70 Prozent. Den höchsten Anteil an Diesel-Pkw hat Wien, den niedrigsten Vorarlberg. Der VCÖ fordert die Angleichung der Mineralölsteuer auf Diesel an das Niveau von Benzin.

"Die Diesel-Pkw verlieren deutlich an Marktanteil. Wir rechnen, dass im Jahr 2009 erstmals seit dem Jahr 1996 wieder mehr Benziner als Diesel-Pkw neuzugelassen werden", stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. In den ersten neun Monaten wurden 128.110 Diesel-Pkw in Österreich neu zugelassen und damit um 7.857 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Anteil der Diesel-Pkw bei den Neuwagen ist von 58,7 Prozent auf 55,2 Prozent gesunken. Die Zahl der Benzin-Pkw ist um 8.035 auf 102.821 gestiegen. Im September fuhren 51,7 Prozent der Neuwagen mit Diesel, im Jänner betrug der Anteil noch 60,3 Prozent.

Es wird darauf hingewiesen, dass in allen Bundesländern der Anteil der Diesel-Pkw zurückgegangen ist. Den stärksten Rückgang weist das Burgenland mit minus 6,0 Prozentpunkten auf, in Wien ging der Anteil mit minus 0,4 Prozentpunkten am wenigsten zurück. "Da Diesel heuer schon mehr kostete als Benzin rechnet sich der Diesel-Pkw nicht mehr", nennt der VCÖ einen Grund für den deutlichen Rückgang.

Wien hat die meisten Diesel-Fahrzeuge
Wien hat nun den höchsten Anteil an Diesel-Pkw mit 61,1 Prozent, den niedrigsten Anteil weist Vorarlberg mit 50,7 Prozent auf. "Gerade Städte haben große Probleme mit der Luftqualität. Deshalb ist es unerfreulich, dass in Wien der Anteil der Diesel-Pkw so hoch ist. Denn Diesel-Abgase sind gesundheitsschädlicher, enthalten Stickoxide und trotz Rußpartikelfilter nach wie vor Feinstaubpartikel", so die Expertin.

Kritik wird auch geübt, dass die Mineralölsteuer auf Diesel trotz der höheren Schädlichkeit der Abgase pro Liter um 9,5 Cent niedriger ist als bei Benzin. "Es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, warum Diesel niedriger besteuert wird als Benzin. Die nächste Regierung sollte diese Ungerechtigkeit beseitigen und die Mineralölsteuer von Diesel und Benzin auf 44 Cent pro Liter angleichen", fordert Rasmussen.

Zudem setzt sich der VCÖ für sparsamere Neuwagen ein. Die Autoindustrie hat im Jahr 1998 eine Verringerung der Emissionen auf 120 Gramm CO2 pro Kilometer versprochen - das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von rund 4,8 Liter. Heute, zehn Jahre später beträgt der Durchschnittsverbrauch der Neuwagen in der EU rund 6,3 Liter bzw. 158 Gramm CO2 pro Kilometer. Noch heuer wird das EU-Parlament über einen verpflichtenden Grenzwert von 120 Gramm CO2 pro Kilometer abstimmen. "Österreichs EU-Abgeordnete sind gefordert, sich im Interesse der Umwelt sowie der Autofahrerinnen und Autofahrer für diesen Grenzwert stark zu machen", so VCÖ-Expertin Rasmussen. (vcö/red)

15.10.2008 12:52