Donnerstag, 16. Oktober 2008

Mirko Kovats im NEWS über die Folgen der Finanzkrise: "Die Realwirtschaft ist zurück

  • Industrieller kritisiert die irrealen Bankgeschäfte
  • Kovats: "Genagelte Schuhe sind nicht mehr in"

Kovats zur Krise. Was jetzt kommt: Der Industrielle über reale Folgen irrealer Bankgeschäfte.

NEWS: Als Vorstandsvorsitzender der börsennotierten A-Tec Industries AG erleben Sie den Finanzmarkt jeden Tag hautnah. Wie beurteilen Sie die Finanzkrise und deren Auswirkungen?
Mirko Kovats: Es kommen schlechte Zeiten, aber es wird keine Katastrophe. Wir werden sicher ein bis zwei schwierige Jahre haben, aber wir werden es alle überstehen. Es war mir klar, dass es so nicht weitergehen kann. Die Überraschung ist, dass es so heftig kommt. Jetzt zählt wieder die Realwirtschaft.

NEWS: Was hat bisher gezählt?
Kovats: Das System war krank. Das war Gelddrucken mit Papierprodukten. Die Investmentbanker wollten uns einreden, dass es geht. Aber man kann in Wahrheit nur das verteilen, was man mit der Realwirtschaft verdient. Realwirtschaft ist keine Finanzdienstleistung, sondern Produzieren, Verkaufen und Handeln. Wenn diese reale Wirtschaft um zwei Prozent wächst, so kann man nicht 20 Prozent Gewinn haben. Wenn ich es doch habe, geht das zu Lasten von jemandem.

NEWS: Also war es besser, ein Ende mit Schrecken zu haben?
Kovats: Im Prinzip ja. Ende mit Schrecken wünsche ich niemandem. Dass es das System so brutal zerreißt, das hätte ich nicht erwartet.

NEWS: Hat es auch etwas Gutes?
Kovats: Ich finde es gut, dass die Investmentbanken verschwinden, die letztendlich irreale Scheingeschäfte auf Kosten der Steuerzahler gemacht haben. Die Banken, die jetzt überleben, machen das ganz simple Geschäft: Einlagen nehmen und Kredite vergeben. Das hat nichts zu tun mit den absurden Finanzkonstruktionen, die am Ende keiner mehr verstanden hat.

NEWS: Viele haben gut daran verdient.
Kovats: Ich bin kein Kommunist, das ist bekannt. Aber es ist absurd, dass Bankdirektoren und Hedge-Fund-Manager Hunderte Millionen oder gar über eine Milliarde Dollar verdienen. Ich bin niemandem sein Gehalt neidig, es sollen Millionen sein. Aber nicht 100 Millionen und mehr.

NEWS: Manche rufen gar schon nach Haftstrafen für Manager.
Kovats: Davon halte ich nichts, wenn jemand nicht wissentlich betrogen oder gestohlen hat. Wir sind ja nicht im Mittelalter. Die haben ja gedacht, dass sie das Richtige tun, und dabei mitgeschnitten. Sie sollten zumindest das zurückgeben, was sie verdient haben, ohne es verdient zu haben. Ein Topmanager kann nicht 14 Millionen Euro kassieren und im Krisenfall nach dem Staat rufen.

NEWS: Wie stehen Sie zur 100-prozentigen Sicherung der Sparguthaben in Österreich?
Kovats: Das ist gescheit. Wozu herumnudeln: Wenn eine Bank in Schieflage kommt, dann muss man sie auffangen. Das ist leider so. Ich sage leider, weil zahlen müssen wir das alle.

NEWS: Warum ist das so?
Kovats: Wenn eine große Bank in Konkurs geht, kann das eine Kettenreaktion von weiteren Bankpleiten nach sich ziehen, und unser Geldkreislauf würde total zum Erliegen kommen. Dann steht die Wirtschaft. Man könnte auch alle in Konkurs schicken und neu beginnen. Aber dann wären auch Euro und Dollar Geschichte.

Lesen Sie das ganze Interview im aktuellen NEWS-Magazin 42/2008!

16.10.2008 09:28