Dienstag, 14. Oktober 2008

Wo sind die ganzen Schimpansen hin?
Population sank an Elfenbeinküste um 90%

  • Anstieg der menschlichen Bevölkerung als Ursache
  • Abholzung und Wilderei dezimieren Affen-Bestand

Die Schimpansenpopulation an der Elfenbeinküste ist dramatisch zurückgegangen. Im Vergleich zur letzten Zählung vor 18 Jahren fanden Forscher nur noch ein Zehntel der Affen vor. "Wir hatten nicht erwartet, dass es so katastrophal sein würde", sagte Hjalmar Kühl der AP. Er gehört zum Team des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie, das in einem in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlichten Artikel vom dramatischen Verschwinden der Menschenaffen berichtet.

In den 60er Jahren sei die Elfenbeinküste mit geschätzt 100.000 Schimpansen noch eine Hochburg der Menschenaffen gewesen, schreiben die Forscher. Ende der 80er Jahre seien es 8.000 bis 12.000 gewesen. Die heutige Population liege bei einem Zehntel. Das entspräche rund 1.000 Menschenaffen. Die Forscher machen vor allem den explosionsartigen Anstieg der menschlichen Bevölkerung, Abholzung und Wilderei für das Verschwinden der Schimpansen aus ganzen Regionen verantwortlich.

Eigentlich seien die Forscher aufgebrochen, um die Auswirkungen einzelner Faktoren auf die Affenpopulation zu studieren, sagte Kühl. Doch als sie kaum noch Schimpansen gefunden hätten, hätten sie sich zu einer Bestandsaufnahme entschlossen, die jetzt auch auf die anderen Länder Westafrikas ausgedehnt werden soll. Offensichtlich könne man den alten Bestandszahlen nicht mehr vertrauen, sagte Kühl. "Ich befürchte, dass es in den anderen Ländern genauso verheerend sein wird." In ein bis zwei Jahren sollen vollständige Zahlen zur den westafrikanischen Schimpansen vorliegen.

Da Schimpansen - wie der Mensch - sehr viel Zeit und Energie in ihren Nachwuchs steckten, sei ihre Reproduktionsrate niedrig, schreiben die Forscher. Dadurch sei ihre Population besonders angreifbar.

Es gebe allerdings auch Hoffnung, betont Kühl. Im Tai-Nationalpark der Elfenbeinküste sei die Schimpansenpopulation stabil geblieben. Das zeige, dass Schutzgebiete, die finanziell vernünftig ausgestattet seien, funktionierten, sagt er.
(apa/red)

14.10.2008 11:17