Dienstag, 14. Oktober 2008

Knalleffekt im Radsport: Tour de France-Star Bernhard Kohl mit positivem Dopingtest

  • Verbotene Substanz EPO CERA wurde festgestellt
  • Karriere des Radsport-Idols scheint vorbei zu sein

Der österreichische Radstar Bernhard Kohl ist bei der Tour de France positiv auf die Substanz EPO CERA getestet worden. Das bestätigte NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab. Der 26-jährige Kohl hatte bei der diesjährigen Tour de France im Juli sensationell den dritten Platz erreicht und auch die Bergwertung für sich entschieden. Die Sports Media Austria hat sofort nach Bekanntwerden des Dopingfalls Berhard Kohl von der Liste der "Sportler des Jahres" gestrichen.

Ich hatte einen Anruf von Bernhard Kohl und er hat bestätigt, dass er von dem positiven Test informiert wurde. Die Substanz ist EPO CERA", sagte Gerolsteiner-Team-Manager Hans-Michael Holczer. "Er sagt, er kann sich das alles nicht erklären", sagte Holczer.

Ob er Kohl glaube? Holczer desillusioniert: "Ich glaube niemandem mehr. "Kohl hatte bei der diesjährigen Tour de France im Juli sensationell den dritten Platz erreicht und auch die Bergwertung für sich entschieden. Laut Informationen der französischen Sporttageszeitung L'Equipe war der Niederösterreicher schon während der Tour aufgrund seiner auffälligen Blutwerte besonders im Visier der Kontrolleure gestanden. Erst Anfang September war er von Gerolsteiner zum belgischen Rennstall Silence-Lotto gewechselt und hatte dort einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben.

Kohl von "Sportler des Jahres"-Liste gestrichen
Bernhard Kohl ist aus der am 9. Oktober veröffentlichten Nominierungsliste der Top 5 für die Wahl zum "Sportler des Jahres" gestrichen und durch Eishockey-Star und Titelverteidiger Thomas Vanek ersetzt worden. Das teilte die Sportjournalisten-Vereinigung Sports Media Austria am Montagabend nach der positiven Doping-A-Probe beim Radsportler mit. Alle für Kohl abgegebene Stimmen werden für ungültig erklärt.

Wer waren die Hintermänner?
Holczer riet Kohl, die Hintermänner des CERA-Netzwerkes, zu dessen Kunden offenbar mehrere Stars im Peloton gezählt haben, offenzulegen. "Ich habe ihm gesagt, er soll offenlegen, wer dahintersteckt. Wo kommt das Ganze her? Er könnte damit einen großen Beitrag leisten - für den Radsport und für sich selbst", erklärte Holczer. "Er hat mir darauf nur geantwortet, dass er sich das alles nicht erklären kann." Ob er seinem gefallenen Tour-Dritten und Bergkönig glaube? Holczer desillusioniert: "Ich glaube niemandem mehr."

Die Wirkung von CERA hält 20 Tage an. Kohl könne das Präparat daher schon im Vorfeld der Tour eingenommen haben. "Ich kann das nicht überprüfen", sagte Holczer. Ähnlich sei es bei Schumacher gewesen, dem am 3. und 15. Juli positive Proben entnommen worden waren. Die Analyse wurde erst nach Entwicklung eines entsprechenden Verfahrens durch die französische Anti-Doping-Agentur (AFLD) in den Labors Chatenay-Malabry und Lausanne durchgeführt.

Kohls Karriere ist zu Ende
Damit dürfte Kohls Karriere nach Einschätzung Holczers vorbei sein. Auch wenn eine Dopingsperre nach zwei Jahren abgesessen ist, sei es dann schwierig, ein Team zu finden. "Ich denke, für ihn ist es vorbei. So sollte es wohl sein", meinte Holczer. Dabei habe er den 26-jährigen Niederösterreicher als Persönlichkeit immer geschätzt. "Ich schätze ihn nach wie vor von der menschlichen Seite", betonte Holczer. "Bernhard war im Team sehr beliebt."

Holczer zieht seine Konsequenzen
Holczer zieht die Konsequenz und steigt mit sofortiger Wirkung aus dem Radsport aus. Bereits zur Lombardei-Rundfahrt wird Gerolsteiner, das mit Saisonende ohnehin ausgestiegen wäre, nicht mehr antreten. "Das alles habe ich mir nach 10 Jahren im Radsport nicht verdient", betonte Holczer. "Es zeigt die Machtlosigkeit, die wir haben."
(apa/red)

14.10.2008 13:19