Dienstag, 14. Oktober 2008

Stärkung der US-Mittelschicht neues Ziel:
McCain entdeckt jetzt den Normalbürger

  • Republikaner muss in Umfragen Boden gutmachen
  • Palin blamiert sich vor ihrer eigenen Anhängerschaft

Mit neuen Vorschlägen zur Unterstützung der verunsicherten Mittelschicht will der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain bei den Wählern punkten. Senator McCain werde seine Pläne zur Rettung der amerikanischen Wirtschaft vorstellen und dabei besonders auf die am stärksten Betroffenen eingehen: Arbeiter, Hausbesitzer, Sparer und Pensionisten, erklärte sein Sprecher Tucker Bounds.

McCains Rivale Barack Obama hatte am Montag seinen Rettungsplan präsentiert. Demnach soll ein 90-tägiger Stopp für Zwangsversteigerungen von privaten Wohnhäusern verhängt werden. Unternehmen, die neue Arbeitsplätze schaffen, sollen Steuererleichterungen erhalten, wie Obama in einer Rede in Toledo im Staat Ohio erklärte.

Zehntausende US-Bürger haben bereits ihr Haus durch Zwangsversteigerung verloren, weil sie ihren Immobilienkredit nicht mehr bedienen konnten. Außerdem fürchten die Menschen um ihre Alterssicherung.

Obama klar vor McCain
Einen Tag vor dem letzten TV-Duell zwischen dem Demokraten Obama und dem Republikaner McCain hat sich der Abstand zwischen den Konkurrenten weiter vergrößert. In einer Umfrage von Reuters/C-Span und Zogby lag Senator Obama bei 49 Prozent, McCain kam auf 43 Prozent. Am Vortag hatte der Vorsprung vier Prozentpunkte betragen. Die Fehlerquote lag bei 2,9 Prozentpunkten. In der jüngsten Erhebung von "Washington Post" und ABC News lag Obama sogar zehn Prozentpunkte vor McCain.

Drei Wochen vor der Wahl laufe McCain die Zeit davon, um den Trend noch umzudrehen, sagte Umfrageleiter John Zogby. Obama kann sich vor allem bei den parteiungebundenen Wählern und bei den Frauen auf eine deutliche Mehrheit stützen. Mit den immer deutlicher werdenden Auswirkungen der Finanzkrise hatte Obama die Führung in den Umfragen übernommen.

Die Krise hat den Themen Irak-Krieg und Terrorismus, die zunächst mehr im Mittelpunkt des Wahlkampfs standen, mittlerweile eindeutig den Rang abgelaufen. Die Amerikaner sorgen sich angesichts der drohenden Rezession um ihren Arbeitsplatz, ihr Haus und ihr Auto. Die Fernsehdebatte findet am Mittwochabend statt. Die Wahl ist am 4. November.

Palin blamiert sich erneut
Unterdessen hielt die republikanische Vize-Präsidentschaftskandidaten Sarah Palin bei einer Kundgebung eine Gruppe von Fans irrtümlich für Demonstranten. Einige der insgesamt mindestens 20.000 Zuhörer in Richmond im US-Staat Virginia konnten die Rednerin auf der mehr als 100 Meter entfernten Bühne nicht verstehen. Die Anhänger riefen deshalb "Lauter, lauter!". Palin unterbrach ihre Rede und erklärte: "Ich hoffe, diese Demonstranten haben den Mut und die Ehre, den Veteranen für ihre Demonstrationsfreiheit zu danken." Einige ihrer Anhänger versuchten, Palin über den Irrtum aufzuklären, die Gouverneurin von Alaska konnte sie jedoch nicht hören.
(apa/red)

14.10.2008 14:58