Dienstag, 14. Oktober 2008

Wird Tatort-Kommissar neuer Präsident:
Die Linke nominiert Sodann als Kandidaten

  • Drei Kandidaten für die Wahlen 2009 sind aufgestellt
  • Amtierender Horst Köhler stellt sich der Wiederwahl

Bei der Wahl des nächsten deutschen Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung am 23. Mai 2009 wird es drei Kandidaten geben. Die Partei Die Linke nominierte am Dienstag den 72 Jahre alten prominenten ostdeutschen Schauspieler Peter Sodann. Bei der Wahl bewirbt sich daneben Bundespräsident Horst Köhler um seine Wiederwahl. Die SPD hat die frühere Präsidentin der Viadrina- Universität in Frankfurt an der Oder, Gesine Schwan, als Bewerberin benannt. Sie ist auch Polen-Beauftragte der deutschen Regierung. Köhler war 2004 von den Unions-Parteien und der FDP aufgestellt worden und wird von ihnen erneut unterstützt. Derzeit gilt eine knappe Mehrheit für Köhler in der Bundesversammlung als wahrscheinlich.

Die Bundestagsfraktion der Linken stimmte der Nominierung Sodanns in einer Sitzung zu. Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine sagte anschließend, dieser Kandidat wäre "in mehrfacher Hinsicht ein guter Repräsentant Deutschlands". Sodann sei als Schauspieler, Regisseur und Intendant sehr erfolgreich, dabei aber auch immer ein politischer Künstler geblieben. In gesellschaftlichen Fragen engagiere er sich in hohem Maße. Lafontaine erinnerte daran, dass Sodann zu DDR-Zeit mit dem Staat in Konflikt geraten war. Wegen staatsfeindlicher Hetze sei er verfolgt und eingesperrt worden.

Kommissar Bruno Ehrlich
Sodann ist einem Millionen-Publikum vor allem durch seine frühere Rolle als Kommissar Bruno Ehrlicher in der TV-Krimi-Reihe "Tatort" bekannt. In 45 Fällen war er von 1991 bis 2007 in der ARD-Serie zu sehen. Der gebürtige Sachse, der auch auf eine lange Theaterkarriere in der DDR zurückblicken kann, hatte schon vor drei Jahren eine Kandidatur für die inzwischen in der Linkspartei aufgegangenen PDS bei der Bundestagswahl erwogen. Er verzichtete aber darauf, als ihm klar wurde, dass er dann nicht mehr im Fernsehen oder Hörfunk auftreten könnte. In der DDR war ein Kabarettprogramm Sodanns als "konterrevolutionär" eingestuft worden. Er musste neun Monate in Haft und wurde aus der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), aus der wiederum die PDS hervorging, ausgeschlossen.

Sodann hat einmal gesagt, er wolle auch im Ruhestand "für mehr Gerechtigkeit eintreten und den Leuten ehrlich sagen, welches Unrecht uns droht". In den vergangenen Jahren war Sodann wiederholt mit der Prominenz der Linkspartei öffentlich zusammengekommen. Nach Medienberichten hatte Die Linke sich zunächst aber um eine Frau als Bewerberin bemüht. Sie soll mit mehreren infrage kommenden Prominenten Gespräche geführt haben.

Sodann als Außenseiter
Sodann wird bei der Wahl durch die Bundesversammlung eine Außenseiterrolle spielen. Bei der Wahl des Staatsoberhauptes ist in den ersten beiden Wahlgängen eine absolute Mehrheit notwendig. Erreicht diese kein Bewerber, genügt im dritten Wahlgang die einfache Mehrheit. Möglicherweise könnte Die Linke dann Schwan unterstützen. Der Bundesversammlung gehören die Bundestagsabgeordneten sowie Vertreter der 16 Landtage der Bundesländer an.
(apa/red)

14.10.2008 16:26