Dienstag, 14. Oktober 2008

Wiener Ringlinien 1 & 2 droht nun das Ende:
Ab 26. Oktober als Durchgangslinien geführt

  • Linien J, N und 65 sollen komplett eingestellt werden
  • VP ringt um Erhalt der bisherigen Route von 1er & 2er

Die Wiener ÖVP ringt um den Erhalt der Wiener Ringlinien: Prominente Vertreter der Hauptstadt-VP hatten sich deshalb zu einer Demonstration zusammengefunden. Dabei sei man nicht generell gegen die Neuführung der Linien 1 und 2 als Durchgangslinien, unterstrich Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl. Dann sollte aber eine neue Ringlinie geschaffen werden: "Zumindest in einer Richtung muss eine Ringlinie erhalten bleiben."

Dieser Forderung schlossen sich Landesgeschäftsführer Norbert Walter und Klubchef Matthias Tschirf, die City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel, ihre Wiedener Kollegin Susanne Reichard und Bildungssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager an. Die Ringlinien seien Tradition, so Tschirf: "Und es wäre schade, wenn man das zerstören würde"

Neue Linienführung ab 26. Oktober
Mit der neuen Linienführung ab dem 26. Oktober sollen überdies die Linien J, N und 65 entfallen. Dies bedeute eine Ausdünnung anstatt der notwendigen Verdichtung des Systems, kritisierte Gerstl. Mit einer zusätzlichen Ringlinie könne man stattdessen das Intervall auf 1,5 Minuten verkürzen.

Auch City-Chefin Stenzel ärgerte sich über das Ende der Ringlinien, zumal der Bezirk hier nicht eingebunden worden sei: "Und wie sich zeigt, trifft es nicht auf die Zustimmung der Bürger." Überdies sei nun von vermehrtem Touristen-Busverkehr am Ring ausgehen. "Man hat die Situation verschlimmbessert", bedauerte Stenzel.

Ausdünnung statt Ausbau
Stichprobenartig befragte Fahrgäste am Ring gaben sich indes indifferent gegenüber dem nahenden Ende der Ringlinien. "Jetzt kommt ja auch schon alle zwei Minuten eine Straßenbahn", zeigte sich ein Herr skeptisch bezüglich der verlangten Taktverdichtung.

Die junge Studentin Manuela bedauerte hingegen die neue Streckenführung: "Ich schicke bisher meinen Besuch immer mit den Ringlinien zum Sightseeing." Charakteristisch vielleicht die Aussage einer Wienerin mittleren Alters: "Ach, wissen Sie, mir ist das wurscht. Ich wohne in Liesing."

Ring-Bim für Touristen
Entrüstet zeigte sich dagegen SPÖ-Gemeinderat Karlheinz Hora in einer Aussendung über die VP-Forderungen. Die neuen Routen würden von allen Verkehrsexperten und vielen Bürgerinitiativen positiv bewertet und brächten für die Fahrgäste Zeitersparnis. Die Ring-Linien würden hingegen im gesamten Streckenverlauf in geringem Maße in Anspruch genommen.

Die Grünen erneuerten unterdessen ihre Forderung nach einer zusätzlichen Ringlinie zu den neuen Durchgangslinien, was dem VP-Vorschlag entspricht. "Jetzt ist die Zeit, eine tägliche Touristenstraßenbahn rund um den Ring einzuführen, um den bevorstehenden Buswahnsinn in der Adventzeit einzudämmen", so Gemeinderätin Ingrid Puller. (apa/red)

14.10.2008 12:36