Donnerstag, 9. Oktober 2008

So trifft uns jetzt die Finanzkrise

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Aktien auf Talfahrt, Banken in Bedrängnis – und nun kommt noch die Wirtschaftsflaute. So trifft uns jetzt die Krise.

Das Finanzchaos, das unaufhaltsam Kurs auf Österreich genommen hat, ist hautnah zu spüren. In der Bank-Austria-Zentrale in der Wiener Schottengasse standen nervöse Bankkunden Schlange, um ihr Erspartes abzuheben. Zur selben Zeit brechen die Aktienkurse an der Wiener Börse ein. Binnen Minuten werden Millionen vernichtet. Der Leitindex ATX rasselt auf unter 2.500 Punkte und hat in sechs Monaten gut die Hälfte an Wert verloren.

Das zeigt, wie stark das Vertrauen der Anleger in den Finanzmarkt gesunken ist. Demnächst wird der Staat eingreifen und sämtliche Einlagen garantieren müssen, um das Finanzsystem am Leben zu erhalten. Für die Finanzmanager ist das aber kein Freibrief, im Gegenteil. Die Verantwortlichen der Misere können sich schon einmal warm anziehen. Finanzstrafen und staatlich begrenzte Gehälter sind ebenso in Diskussion wie Gefängnisstrafen.

Finanzmarkt in Aufruhr. Aber noch ist das Ende der Krise nicht abzusehen. Keiner weiß, wie tief die Börsen noch fallen. Dazu geht die Angst vor dem Zusammenbruch der nächsten Bank oder Versicherung um. Österreichs Banken stehen besser und sicherer da als internationale Konzerne (siehe rechts). Trotzdem müssen Bankmanager wie etwa Erste-Group-Boss Andreas Treichl kalmieren. Es geht um viel. Es geht um das sauer Ersparte der Österreicher, das mit einem Mal weg sein könnte (siehe Kasten links). Und diese Verunsicherung treibt die Märkte noch tiefer nach unten. Mit ein Grund, warum Finanzminister Wilhelm Molterer für eine Ausdehnung der Einlagensicherung von derzeit 20.000 Euro pro Österreicher und Bank plädiert – sein Vorschlag geht in Richtung Kompletthaftung. Dieser Vorstoß ist in Wahrheit schon längst überfällig. Denn das Geldsystem kann nur funktionieren, wenn das Vertrauen bestehen bleibt.

Verlierer in Österreich. Der Raubzug der gegenwärtigen Finanzkrise hat bereits zahlreiche Opfer gefunden: Von der Riesenpleite der Investmentbank Lehman Brothers bis zur deutschen Hypo Real Estate sitzen zahlreiche „Giganten“ des Finanzmarktes fest in der Schuldenfalle. Auch österreichische Unternehmen sind vom Finanzdebakel betroffen – so etwa KTM. Die oberösterreichische Motorradschmiede ist stark exportabhängig – ein Problem in Zeiten der globalen Finanzkrise. KTM-Boss Stefan Pierer ortet die Troubles vornehmlich im ungünstigen Dollarkurs. Doch auf die Aktientalfahrt folgt die Konsumflaute – keine guten Aussichten für Luxusprodukte wie Lifestyle-Motorräder.

Krise und Jobverlust. Das aktuell prominenteste Opfer in Österreich ist Karl Petrikovics. Der bislang als Parademanager gelobte Petrikovics, der Immofinanz und Immoeast aufbaute, stolperte ebenfalls über die Finanzkrise. Millionenverluste, ein Aktienkurs im freien Fall und der Stopp von millionenschweren Immobilienprojekten gaben Immofinanz und Immoeast kräftig zu schlucken. Doch Jobverlust könnte zu einem Massenphänomen werden. Sinkende Nachfrage führt zur Verkürzung der Produktion in vielen Industriebetrieben. So wird beim General-Motors-Getriebewerk in Wien-Aspern die Produktion bereits zurückgefahren – die Arbeitsplätze könnten dadurch bald unsicher werden. Ebenso bei der Voest, wo Ausbaupläne wegen teurer Kredite überdacht werden.

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9.10.2008 12:56