Donnerstag, 9. Oktober 2008

Gottfried Helnwein. Der Schockmaler über Politik und Kapitalismus im NEWS-Interview

  • Der Weltkünstler über den Rechtsruck und die
  • Ursachen der Politikverdrossenheit in Österreich

Gottfried Helnwein. Der begnadete Künstler rechnet im NEWS-Interview mit der Politik, dem Kapitalismus und den Regeln des Kunstmarkts ab.

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Videos zu Gottfried Helnweins Kunstwerken

Slideshow zu Helweins Kunstwerken

Art of Gottfried Helnwein

Interviewauszug mit Gottfried Helnwein aus dem aktuellen NEWS 41/08

NEWS: Genieren Sie sich für Österreich?
Helnwein: Ich geniere mich nie dafür. Je länger ich weg bin, desto mehr Respekt habe ich vor Österreich. Es kracht überall auf der Welt, das westliche System ist am Zusammenbrechen. Die Jahrzehnte des Raubkapitalismus der amerikanischen Regierung, das wird alles mitreißen. Österreich ist da noch viel besser dran als andere Länder. Kein Land macht soviel für Kultur. Der Wohlstand ist außergewöhnlich und das Sozialsystem funktioniert besser als in den meisten anderen Ländern.Das liegt daran, dass Österreich ein eigenständiges Land ist und manchmal sperrig und bockig seine eigenen Sachen beschließt, etwa keine Atomkraft zu haben. Das würden wir in Vereinigten Staaten von Europa verlieren. Ich glaube, das hat bei der Wahl auch mitgespielt: Die Leutehaben Angst, dass eine schwammige Regierung uns verkauft. Wenn wir in Österreich die Eigenstaatlichkeit verlieren, werden wir einen Wasserkopf in Brüssel haben von korrupten Parlamentariern und Regierenden. Wer in Brüssel scheißt sich um Österreich? Die sind nur den Lobbyisten hörig. Auch ein Grund, warum die Leute zornig sind.

NEWS: Der Kunstmarkt ist ja vor einigen Jahren schon als große Blase zerplatzt.
Helnwein: Aber er ist in viel hässlicherer Form wieder auferstanden. Nach jeder Blase kommt eine noch viel größere Blase, und es müssen einige Blasen platzen, bis das ganze faulige Gas weg ist.

Bücher zum Werk von Gottfried Helnwein

FACE IT! Gottfried Helnwein, Museum of Modern Art Linz, 2006
Verlag Christian Brandstätter

Beautiful Children, Gottfried Helnwein, Wilhelm Busch Museum, 2005
Verlag Ludwig Museum Schloss Oberhausen

Biografie von Gottfried Helnwein

Gottfried Helnwein wurde am 8. Oktober 1948 in Wien geboren.

Provocateur und Schockmaler
Helnwein zählt zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten deutschsprachigen Künstlern nach dem Zweiten Weltkrieg. Bekannt wurde er vor allem durch seine hyperrealistischen Bilder von verwundeten und bandagierten Kindern. In seinem gesamten Schaffen setzt er sich mit den Themen Schmerz, Verletzung und Gewalt auseinander, und berührt dabei auch Tabu- und Reizthemen der jüngeren Geschichte. So wird insbesondere auch das Thema Nationalsozialismus in seinen Werken verarbeitet. Im Zentrum seiner Arbeit steht aber vor allem die Darstellung des Kindes.

Studium
Helnwein studierte ab 1965 an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in
Wien, gemeinsam mit Manfred Deix, ab 1969 Studium der Malerei an der Akademie der
Bildenden Künste in Wien. Er bekam den Kardinal-König-Preis, den Meisterschul-Preis
sowie Theodor-Körner-Preis. Die Film-Dokumentation "Helnwein", 1984 (Regie Peter
Hajek, Co-Produktion ORF, ZDF) erhielt den Adolf-Grimme-Preis, den Eduard Rhein-Preis
und den Goldenen Kader der Stadt Wien.

Helnwein wurde in den 1970er Jahren vor allem durch seine hyperrealistischen Bilder von
verwundeten und bandagierten Kindern bekannt, und die Darstellung des Kindes ist auch
das zentrale Thema seiner Arbeit geblieben.

Seine Techniken
Er arbeitet mit den unterschiedlichsten Techniken und Stilmitteln. Neben der Zeichnung,
Aquarell-, Acryl- und Ölmalerei und verschiedenen Mischtechniken ist seit den 1980er
Jahren vor allem die Fotografie eines der wichtigsten Medien, oft in Verbindung mit
Performances.

Seit den 1990er Jahren konzentriert er sich neben der Malerei mehr und mehr auf digitale
Fotografie und großformatige Installationen im öffentlichen Raum, meistens mit einem
sozialen oder gesellschaftspolitischen Anliegen.

Ab Ende der 1990er Jahre beginnt er auch Videos in seine Arbeit miteinzubeziehen.

Seine Werke und Ausstellungen
Er schuf Bühnenbilder für Maximilian Schell (Los Angeles Opera), Jürgen Flimm
(Hamburgische Staatsoper), Hans Kresnik (Volksbühne Berlin, Staatstheater Stuttgart,
Deutsches Schauspielhaus Hamburg), Gregor Seyffert (Robert Schumann-Festival
Düsseldorf) und Gert Hof (Hamletmaschine von Heiner Müller, Berlin, München).

1985 Einzelausstellung in der Albertina, Wien
Rudolf Hausner schlägt Helnwein als seinen Nachfolger für die Leitung der
Meisterklasse für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien vor, aber
Helnwein übersiedelt nach Deutschland.

1988 Zur Erinnerung an die so genannte "Reichskristallnacht" 1938 errichtet Helnwein in Köln die 100 Meter lange Installation "Neunter November Nacht" zwischen Museum Ludwig und Kölner Dom.
Zusammenarbeit mit Hans Kresnik an dem choreographischen Drama "Macbeth" nach
William Shakespeare, welches mit dem Theaterpreis Berlin ausgezeichnet wird.

1989 Einzelausstellung im Folkwang Museum, Essen.

1997 Helnwein übersiedelt nach Irland.
Im gleichen Jahr findet die bis dato umfangreichste Helnwein-Retrospektive im
Russischen Museum in St. Petersburg statt.

2000 Ausstellungen im San Francisco Museum of Modern Art und im Los Angeles County Museum of Art.

2001 Gestaltet er für die Hamburgische Staatsoper das Bühnenbild für die Oper "Rake's Progress" von Igor Strawinsky, Regie: Jürgen Flimm.

2002 Etabliert er ein Atelier in Los Angeles.

2003 Premiere der Helnwein-Dokumentation "Neunter November Nacht" im Museum of Tolerance, Simon Wiesenthal Center, Los Angeles. Zusammenarbeit mit Marilyn
Manson und Sean Penn an experimentellen Video-und Filmprojekten.

2004 "The Child", die Helnwein-Retrospektive in der Legion of Honor, San Francisco Fine Arts Museum wird von 130.000 Besuchern gesehen.
Der San Francisco Chronicle bezeichnet die Schau als beste Ausstellung eines
lebenden Künstlers im Jahr 2004. Helnwein erhält die irische Staatsbürgerschaft.

2005 Zusammenarbeit mit Maximilian Schell an der Oper “Der Rosenkavalier” von Richard Strauss für die Los Angeles Opera. Dirigent: Kent Nagano.
“Beautiful Children”, Einzelausstellung im Ludwig Museum Schloss Oberhausen und im
Wilhelm-Busch-Museum Hannover

2006 Retrospektive im Lentos Kunstmuseum Linz

2008 Retrospektive im Nationalen Kunstmuseum in Peking.

Gottfried Helnwein lebt und arbeitet in Irland und Los Angeles.

Zitate von Gottfried Helnwein

„Von Donald Duck habe ich mehr gelernt als von allen Schulen, in denen ich war.“

"Kunst ist für mich eine Waffe, mit der ich zurückschlagen kann."

Das ganze Interview mit Gottfried Helnwein lesen Sie jetzt im neuen NEWS

Quellen: Redaktion / www.lentos.at

9.10.2008 10:28