Mittwoch, 8. Oktober 2008

Zweimal ging Nobelpreis an Österreicher:
Bertha von Suttner und Alfred Fried geehrt

  • Simon Wiesenthal und Hermann Gmeiner nominiert
  • Waldheim, Mock, Vranitzky und Kreisky im Gespräch

Seit 1901 wird jährlich der Friedensnobelpreis an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich durch besondere Verdienste in der Friedensarbeit auszeichnen. Am Todestag des schwedischen Erfinders und Industriellen Alfred Nobel, wird die Auszeichnung in Oslo verliehen. Österreichische Preisträger waren die Schriftstellerin Bertha von Suttner und der Journalist Alfred Hermann Fried.

1905 erhielt Bertha Sophie Felicitas Freifrau von Suttner, geborene Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau, den Friedensnobelpreis für ihr Lebenswerk. Ihr berühmtestes Werk ist der Roman "Die Waffen nieder!" von 1889. Sie hatte Nobel zur Stiftung des Friedensnobelpreises angeregt und war von ihm ursprünglich als erste Preisträgerin vorgesehen gewesen.

Fried 1911 ausgezeichnet
1911 wurde der österreichische Journalist Alfred Hermann Fried gemeinsam mit dem niederländischen Juristen und Politiker Tobias Asser ausgezeichnet. Fried war Herausgeber der pazifistischen Zeitschrift "Die Friedenswarte".

Mehrere Österreicher nominiert
Seither gab es keine weiteren österreichischen Preisträger mehr. Mehrere Male aber wurden Österreicher für Auszeichnung vorgeschlagen. Nominierungsvorschläge für den Friedensnobelpreis einreichen können unter anderem jetzige oder frühere Mitglieder des Nobelpreis-Komitees, alle Träger des Friedensnobelpreises, Parlamentarier, Regierungsmitglieder und Mitglieder verschiedener Organisationen in aller Welt.

Im November 1979 gab es erstmals Gerüchte um eine mögliche Nominierung des damaligen SPÖ-Bundeskanzlers Bruno Kreisky für seine Vermittlungsarbeit im Nahost-Konflikt. Damals sagte der Präsident der Katholischen Aktion Österreichs, Eduard Ploier in einem Interview mit der APA: "Wenn die Friedensbemühungen von Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky im Nahen Osten Erfolg haben und er einen entscheidenden Beitrag zum Frieden leisten kann, so ist das eine Tat, die durchaus auf der Ebene eine Friedensnobelpreis liegt." Der damalige ÖVP-Bundesparteiobmann Alois Mock meinte freilich dazu, dass Kreiskys Friedensinitiativen "nichts Besonderes" seien.

Kreisky im Gespräch als Preisträger
1984 schlug der Parlamentarier der Südtiroler Volkspartei, Hans Benedikter, Bruno Kreisky wegen seiner Verdienste um Lösungen im Nahost-Konflikt schließlich vor. In dem Schreiben an das Nobelpreis-Komitee des norwegischen Parlaments schrieb Benedikter, dass Kreiskys jahrelangen, äußerst schwierigen und oftmals auch missverstandenen Bemühungen zur Entschärfung der explosiven Lage im Nahen Osten durch eine für alle Seiten akzeptable Lösung des Palästinenser-Problems in der ganzen Welt anerkannt würden.

Wiesenthaler und Gmeiner nominiert
Im selben Jahr bestätigte der Sekretär des norwegischen Nobelkomitees Jakob Sverdrup die Nominierung von zwei Österreichern. Hermann Gmeiner, Gründer der SOS-Kinderdörfer und Simon Wiesenthal, Leiter des Jüdischen Dokumentationszentrums in Wien zählten zu den 83 Anwärtern für den Friedensnobelpreis 1984.

1987 schlug die Internationale Fortschrittsorganisation (IPO), eine regierungsunabhängige Organisation mit Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen, unter der Leitung des österreichischen Universitätsprofessors Hans Köchler, den damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim, als potenziellen Preisträger vor.

Waldheim und Mock vorgeschlagen
In einer Botschaft an das Nobelpreis-Komitee verwies Köchler auf Waldheims Eintreten für Menschenrechte, Selbstbestimmung und friedliche Koexistenz während seiner Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen. Waldheim stand damals allerdings wegen der Debatte über seine Kriegsvergangenheit im internationalen Rampenlicht und auf er US-Watch-List.

Ebenfalls für eine Nominierung im Gespräch war der frühere Außenminister Alois Mock. Er war 1994 vom ehemaligen kroatischen Außenminister und UNO-Botschafter Zvonimir Separovic wegen seines Frieden-Engagements in Ex-Jugoslawien für eine Nominierung vorgeschlagen worden.

1998 brachte eine Gruppe von Abgeordneten aus Albanien, Mazedonien und Bulgarien den früheren österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky wegen dessen Albanien-Engagements als Sonderbeauftragter der OSZE für den Friedensnobelpreis ins Gespräch.

(apa/red)

8.10.2008 13:21