Geht Nobelpreis für Frieden nach China?
Regimekritiker favorisiert, China warnt vor
- Experten glauben an einen "Menschenrechts-Preis"
- Auch Tsvangirai als möglicher Preisträger genannt

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Experten spekulieren derzeit, wer heuer den Friedensnobelpreis bekommen wird. Zu den heißesten Tipps zählen die chinesischen Regimekritiker Gao Zhisheng und Hu Jia, die wegen der Olympischen Spiele in Peking ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit gerückt waren. Da sich heuer die Verabschiedung der UNO-Menschenrechtserklärung zum 60. Mal jährt, erwarten Experten einen Menschenrechtsaktivisten als Preisträger.
Vor der Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers hat China offiziell davor gewarnt, die Auszeichnung an einen chinesischen Dissidenten zu vergeben. Der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Qin Qang, erwähnte sogar ausdrücklich den inhaftierten Menschenrechtsaktivisten Hu Jia. "Wenn der Preis so einer Person verliehen würde, würde das dem Zweck einer solchen Auszeichnung widersprechen", sagte er. Er fügte hinzu, der Preis sollte jemandem verliehen werden, "der wirklich Beiträge zum Weltfrieden gemacht hat". Dafür kämen tausende Chinesen in Frage.
Die Experten liegen mit ihren Spekulationen meist weit daneben, da das verschwiegene norwegische Nobelpreis-Komitee, bestehend aus fünf Mitgliedern, die Namen der Nominierten nicht preisgibt. "Ich denke, heuer hat ein chinesischer Regimekritiker die größten Chancen auf den Preis", meint Stein Toennesson, Direktor des "International Peace Research Institute" in Oslo. "Und ich glaube, die zwei wahrscheinlichsten Anwärter sind Gao Zhisheng und Hu Jia, die beide im Gefängnis sind", so Toennesson weiter. Allerdings: "Es gibt keine herausragende Figur."
Regimekritiker als Favoriten
Gao Zhisheng ist ein selbst ausgebildeter Rechtsanwalt, der chinesische Bürger, auch Mitglieder der verfolgten Bewegung "Falun Gong", gegen Unrecht verteidigte. Hu Jia ist ein junger Demokrat, Umwelt- und Aids-Aktivist und machte sich mit Hilfe einiger Online-Autoren einen Namen. Hu gilt in Wettbüros als Favorit: Im irischen Wettbüro Paddypower stehen seine Quoten 7:4, bei Betsafe in Malta 5,50:1, während Gaos Quote dort 10:1 ist.
"Weil der Friedensnobelpreis 2008 im Zeichen des Jubiläums der Menschenrechtskonvention steht, rechne ich dieses Jahr mit einem Menschenrechts-Preis", sagte Toennesson der Nachrichtenagentur Reuters. Den letzten Friedensnobelpreis für Arbeit zur Durchsetzung der Menschenrechte bekam die Iranerin Shirin Ebadi im Jahr 2003. Auch Janne Haaland Matlary, Professorin für internationale Politik an der Universität Oslo, hielte die Wahl eines Menschenrechtsaktivisten heuer für logisch.
Tsvangirai als möglicher Preisträger
Toennesson meinte außerdem, dass der Preis deshalb an einen chinesischen Aktivisten gehen könnte, weil die Olympischen Spiele in Peking vorbei seien und man keinen störenden Eingriff in die Spiele mehr befürchten müsste. Andere Experten nennen den designierten simbabwesischen Premier Morgan Tsvangirai - für seine Verhandlungsbereitschaft mit dem autoritären Präsidenten Robert Mugabe, oder die für ein Verbot von Streubomben kämpfende "Cluster Munitions Coalition" als mögliche Preisträger. Spekuliert wird auch über eine mögliche Nominierung des vietnamesischen Mönchs Thich Quang Do oder der russischen Rechtsanwältin Lydia Yusupova.
Auf historische Jahrestage abgestimmt
Das Nobelpreis-Komitee hat schon bisher seine Preisvergabe auf historische Jahrestage abgestimmt, wie etwa auf den Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki 1945 - alle zehn Jahre wird zum Jahrestag die Arbeit für nukleare Abrüstung gewürdigt. 1985 ging der Friedensnobelpreis an die Organisation "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW)", 1995 an den eingebürgerten britischen Atomwissenschaftler Joseph Rotblat und seine "Pugwash Conferences on Science and World Affairs". Im Jahr 2005 erhielten den Preis die Internationale Atomenergiebehörde IAEO (IAEA) und ihr Direktor Mohamed ElBaradei.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Preis schon öfter wegen Arbeit an der Durchsetzung der Menschenrechte verliehen: Zum Beispiel 1960 an den südafrikanischen Anti-Apartheid-Aktivisten Albert Lutuli, 1977 an Amnesty International oder 1991 an die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Im Zusammenhang mit einem Jubiläum der Menschenrechtskonvention wurde der Friedensnobelpreis 1968 dem Franzosen Rene Cassin verliehen, der an der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen" 1948 mitgearbeitet hat. (apa/red)
