Weltweiter Kampf gegen die Finanzkrise:
Regierungen ringen um Rettung der Banken
- USA mit neuem 38-Milliarden-Dollar-Kredit für AIG
- Island stellt größte Bank unter staatliche Kontrolle
·AMS erwartet für 2009 mehr Arbeitslose
Finanzkrise sorgt für eine negative Trendwende
·Finanzkrise schürt Angst vor Jobverlust
71 Prozent glauben an höhere Arbeitslosigkeit
·Wirtschaftsmotor gerät ins Stocken
Heimisches Wachstum im letzten Quartal bei Null

Der Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise hat auch am Donnerstag die Regierungen rund um den Globus in Atem gehalten. Die isländische Regierung verstaatlichte auch die dritte große Bank des Landes. Die US-Zentralbank gewährte dem von der Pleite bedrohten Versicherungskonzern AIG einen neuen Milliardenkredit. An den Börsen in aller Welt ging die Talfahrt nach einer leichten Verschnaufpause jedoch weiter.
Das vom Staatsbankrott bedrohte Island stellte seine größte Bank, Kaupthing, unter Staatskontrolle. Damit hat der Inselstaat, dessen Finanzsektor seit den 90er Jahren unkontrolliert gewachsen war, die drei größten Banken in seiner Hand. In Deutschland schloss die Finanzaufsicht Bafin die Niederlassung der Kaupthing, auch in Österreich musste die Bank ihre Tätigkeit einstellen. Das Institut hatte vor allem relativ hoch verzinste Tages- und Festgeldkonten angeboten.
Die US-Notenbank stützte den Versicherungskonzern AIG mit einem weiteren Kredit von 38 Milliarden Dollar (rund 28 Milliarden Euro). Einen ersten Großkredit von 85 Milliarden Dollar hat AIG inzwischen so gut wie aufgebraucht.
Bürgschaften für Dexia
Gegenüber dem angeschlagenen Versicherungskonzern Dexia bürgten Frankreich, Belgien und Luxemburg für ein Kreditvolumen von bis zu 4,5 Milliarden Euro. Dexia war vor kurzem bereits mit einem 6,4 Milliarden Euro schweren Rettungspaket gestützt worden.
Irland weitete seine umfassende Garantie für Guthaben bei den sechs Großbanken des Landes auf fünf ausländische Geldinstitute aus. Die Anfang Oktober ausgesprochene pauschale Rettungszusage der Regierung an ihre Großbanken war von anderen EU-Ländern als Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen EU-Banken kritisiert worden.
In Asien senkten die Notenbanken mehrerer Staaten ihre Leitzinsen, darunter Südkorea und Taiwan. Bereits am Mittwoch hatten sieben führende Notenbanken, unter ihnen die Europäische Zentralbank, gemeinsam ihre Leitzinsen gesenkt, um die Weltwirtschaft anzukurbeln.
Deutsche Banken verlangen von Firmen inzwischen mehr Sicherheiten oder auch Risikozuschläge bei der Kreditvergabe.
Börsen weiter im Keller
Weltweit erholten sich die Börsen von den schweren Kursstürzen vom Mittwoch kaum. Die Wiener Börse hat nach einem kurzen Erholungsversuch den vierten Tag in Folge mit kräftigen Verlusten geschlossen. Der Fließhandelsindex ATX fiel gegenüber dem Mittwoch-Schluss um 92,52 Punkte oder 4,10 Prozent auf 2.161,36 Zähler.
Der Dax verlor erneut und schloss mit einem Minus von 2,53 Prozent bei 4.887 Punkten. Auch die Kurse auf dem Pariser Aktienmarkt sackten weiter ein. Die Börse in London verlor nur leicht. Nach schweren Verlusten zum Handelsauftakt an der Wall Street stabilisierte sich der Dow Jones am Mittag (Ortszeit).
Krisentreffen in Washington
Das Weiße Haus kündigte für Samstag ein Krisentreffen von US-Präsident George W. Bush und den Finanzministern der G-7-Staaten sowie den Direktoren des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington an. Nach Angaben seiner Sprecherin Dana Perino wollte sich Bush dabei von den Schritten der einzelnen Länder im Kampf gegen die Finanzkrise unterrichten lassen. Der US-Präsident sagte zudem, er wolle mit seinen europäischen Partnern zusammenarbeiten, um eine "bestmögliche" abgestimmte Lösung zu erarbeiten.
(apa/red)

