Eine Wirtschaft im Ausnahmezustand: Isländischer Staat steht vor dem Kollaps
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Die weltweite Finanzmarktkrise hat die Wirtschaft des Inselstaats Island in den Ausnahmezustand versetzt. Nachdem Regierungschef Geir Haarde in einer dramatischen TV-Rede vor einem drohenden Staatsbankrott gewarnt hatte, verabschiedete das Parlament in Reykjavik ein Notstandsgesetz, das der Regierung bei der Steuerung des gesamten isländischen Finanzmarktes inklusive der Banken praktisch freie Hand gewährt.
Doch dann überschlugen sich dann die Ereignisse. Die isländische Zentralbank gab bekannt, aus Moskau einen Kredit über 4 Mrd. Euro angeboten bekommen zu haben, der von Ministerpräsident Wladimir Putin abgesegnet worden sei. Vertreter von Notenbank und Regierung würden sich daher so rasch wie möglich nach Moskau begeben, um dort den Kredit mit einer Laufzeit von drei bis vier Jahren aufzunehmen.
Fast gleichzeitig verkündete die Regierung die Übernahme der zweitgrößten Bank Islands, der Landsbanki, auf Basis des mit unmittelbarer Wirkung in Kraft getretenen Gesetzes. Bereits vor etwas mehr als einer Woche hatte die Regierung in Reykjavik die drittgrößte Bank des Landes, Glitnir, um einen Betrag von 600 Mio Euro zu 75 Prozent verstaatlicht.
Isländische Krone zum Euro fixiert
Ebenfalls setzte die Zentralbank in Reykjavik den Kurs der Isländischen Krone zum Euro mit 131 Kronen fest. Am Vortag hatte die isländische Währung in einer fast beispiellosen Talfahrt innerhalb weniger Stunden rund ein Viertel ihres Wertes verloren.
Schließlich folgte ein Dementi aus Moskau bezüglich der geplanten Vergabe des Milliardenkredits an Island. Vizefinanzminister Dimitri Pankin erklärte in Moskau, es sei noch keine Entscheidung über ein derartiges Darlehen gefallen. Es habe auch noch keine Kreditverhandlungen mit Island gegeben.
Der Inselstaat zahlt derzeit den Preis für den Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre, als der Finanzsektor des 310.000 Einwohner zählenden Landes ein rasantes Wachstum verzeichnete und eine Reihe von durch einige wenige Familien und Einzelpersonen kontrollierte Unternehmen in ganz Europa auf Einkaufstour gingen. Bis heute gibt es Spekulationen darüber, woher das Geld für den Aufschwung ursprünglich stammte. Die Vermögenswerte der isländischen Banken werden derzeit auf das Neunfache des isländischen Bruttoinlandsprodukts (rund 14 Mrd. Euro) geschätzt.
Auswirkungen auf Europa?
Ein etwaiger Zusammenbruch des isländischen Finanzsystems dürfte angesichts des starken Engagements der Banken und Unternehmen im Ausland auch für andere Teile Europas unmittelbare Folgen haben. So hält beispielsweise eines der größten Unternehmen des Landes, die Investmentgruppe Baugur, Anteile an verschiedenen Handelsketten und Finanzinstituten, vor allem in Großbritannien und in Skandinavien.
(apa/red)

