Serbiens Teamchef kündigt Offensive an:
Radomir Antic versprüht Zweckoptimismus
- Trainer plant auch die Reform des serbischen Fußballs
- Viele Legionäre derzeit verletzt oder nur zweite Wahl

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Handball-Mannschaft"
ÖFB-Team tritt gegen
ein Abwehrbollwerk an
"Unser Temperament ist so, dass wir uns gar nicht hinten reinstellen können. Weder will ich, noch kann die serbische Nationalmannschaft defensiv spielen. Wir müssen einfach angreifen." Der serbische Teamchef Radomir Antic sprüht vor den WM-Qualifikationsspielen gegen Litauen (Samstag in Belgrad) und Österreich (Mittwoch in Wien) in einem Gespräch mit der APA vor Zuversicht und Tatendrang. Gleichzeitig zollt der 59-Jährige den Gegnern höchsten Respekt.
Litauen, das mit den Siegen gegen Österreich und vor allem in Rumänien beachtliche Resultate erzielt hat, müsse geachtet werden. "Die volle Konzentration gilt diesem Spiel, das auf dem Weg zur WM nach Südafrika ganz wichtig ist. Das Spiel gegen Österreich ist derzeit im zweiten Plan", betonte Antic. Die Gruppe 7, in der auch noch Frankreich, Rumänien und die Färoer um WM-Plätze kämpfen, sei "ausgeglichen und total offen". "Von vitaler Bedeutung ist es, die Heimspiele zu gewinnen und auswärts so viele Punkte wie möglich zu sammeln", sagte Antic.
Österreich habe mit dem Sieg gegen Frankreich aufgezeigt, alle gewarnt und viel Selbstvertrauen getankt. Auch in der ersten Hälfte im Testspiel gegen Italien (2:2) habe Österreich sehr stark gespielt. Von der EM im eigenen Land habe die Mannschaft sicher profitiert. Unter dem neuen Trainer Karel Brückner werde nun ein neues Spiel gepflegt. Die größte Stärke Österreichs seien weiter die Standards. Er analysiere jedenfalls jeden Gegner ganz genau. "Österreich kann uns sicher nicht überraschen", strich Antic hervor.
Gutes Klima im Team
Der in Europa hoch angesehene Trainer fühlt sich offenbar als serbischer Teamchef sehr wohl: "Ich fühle mich jetzt mehr als Trainer denn je." Obwohl er ein langfristig denkender Coach sei, bleibe die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika erstes Ziel. Besonders freut Antic das gute Klima im Team.
Während der ersten Zusammenkünfte der Nationalmannschaft habe ein Gefühl der Freundschaft und eine sehr gute Atmosphäre geherrscht. "Das ist die Grundvoraussetzung für Erfolge." Es dürfe aber nicht immer nur um Erfolge gehen. Er wolle jetzt im Rahmen der WM-Quali eine "solide Mannschaft" auf die Beine stellen, in der jeder Einzelne ein "entsprechendes Verhalten und Respekt gegenüber dem Nationaldress" zeige.
Reform des serbischen Fußballs
Den serbischen Fußball will Antic gründlich reformieren. "Wir arbeiten an einem langfristigen Projekt." Nicht nur die Infrastruktur soll modernisiert, sondern alle Nachwuchsteams sollen nach einem einheitlichen Trainingsprogramm ausgebildet werden. "Ich wurde nicht Teamchef, um von der Vergangenheit zu leben", fügte Antic hinzu, der als einziger Trainer in Spanien die "großen Drei" - Real Madrid, Atletico Madrid und FC Barcelona - betreut hat. Antic gilt als akribischer Arbeiter und saugt jede Entwicklung im Fußball auf. "Man lernt immer dazu. Jede Erfahrung ist wertvoll."
Kopfzerbrechen bereitet ihm der Umstand, dass viele serbische Legionäre derzeit nicht erste Wahl in ihren Vereinen sind oder mit Verletzungen zu kämpfen haben. Stürmer Nikola Zigic kommt bei Valencia nicht zum Zug. Kapitän Dejan Stankovic im Dienste von Inter Mailand wurde gerade noch rechtzeitig fit, kann aber nicht in Hochform sein. Jungstar Miralem Sulejmani, der im Sommer vom SC Heerenveen für die Rekordablösesumme um 16,3 Millionen Euro zu Ajax Amsterdam wechselte, muss wegen einer Verletzung passen. Er werde aber niemals "mit Tränen in den Augen entscheiden" und nach Ausreden suchen, betonte Antic.
"Wir haben noch viel Arbeit vor uns"
Bei der 1:2-Niederlage gegen Frankreich war er vor allem mit der ersten Hälfte sehr zufrieden. "Auf das werde ich insistieren. Ich habe viele gute, aber auch manche schlechte Dinge gesehen. Wir müssen aus den Fehlern lernen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber wir sind nicht bei Null und haben ein gutes Fundament", erklärte der Teamchef. "Ich will die Qualität der Spieler potenzieren und die Schwächen möglichst ausmerzen. Wir haben Qualität. Eigentlich ist alles da", fügte er lächelnd hinzu.
Wichtig sei ihm die "schnelle Ballrotation". Zudem sei er nicht ein Verfechter von starren Systemen. "Entscheidend ist, welche Spieler du zur Verfügung hast. Danach kannst du das Spiel ausrichten." Serbien werde jedenfalls jeden Gegner respektieren, aber vor niemandem Angst haben.
Sein Team wolle er "im Einklang mit der Mentalität der Serben" spielen lassen. Die stark ausgeprägte Emotionalität könne zuweilen auf dem Rasen von Nachteil sein. "Wir erleben alles sehr emotional. Auch der Spieler reagiert, wenn er zum Beispiel einen Fehler macht, sehr emotional. Da müssen wir besser werden. Da muss jeder Einzelne besser werden, denn ein Fehler oder gar eine Niederlage bedeutet nicht das Ende der Welt", meinte Antic und ergänzte: "Die Serben sind ein sehr temperamentvolles Volk und sie lieben Fußball. Wir müssen diese Emotionen in positive Energie umwandeln".
(apa/red)
