Dienstag, 7. Oktober 2008

Damen mit Platz sechs nicht zufrieden:
Verstimmung im Tischtennis-Team nach EM

  • Liu Jia verplappert sich bei Aufstellung gegen Spanien
  • Geringerer Mannschaftsgeist als im Team der Herren

Das österreichische Tischtennis-Nationalteam der Damen hat den Mannschaftsbewerb der Europameisterschaften in St. Petersburg wie 2005 in Aarhus auf Rang sechs abgeschlossen. Die EM-Fünften von Belgrad 2007 unterlagen Spanien in ihrem letzten Platzierungsspiel 1:3, Veronika Heine hatte zum Auftakt der Begegnung mit einem 3:2 gegen Galia Dvorak für den ÖTTV-Punkt gesorgt. Ex-Europameisterin Liu Jia kam nicht zum Einsatz.

Im Grunde ein beim ÖTTV üblicher Schritt, dass in einer solchen Partie die Nummern drei und vier der Mannschaft auf den Positionen eins und zwei Verantwortung übernehmen. Daher spielten Heine und Martina Petzner die Eröffnungseinzel. Liu Jia hatte den Spanierinnen allerdings in einem freundschaftlichen Gespräch die Aufstellung angedeutet, woraufhin die Ibererinnen mit Zhu Fang ihre Beste gegen Li Qiangbing auf Nummer drei stellten.

Daher war das Ergebnis fast logisch. Nach dem schönen Erfolg Heines holte die ÖTTV-Equipe freilich doch unerwartet keinen Satz mehr. Sara Ramirez besiegte Petzner und im Schluss-Duell Heine jeweils 3:0, dazwischen verlor Li gegen Zhu. Die Linzerin spielte auffallend lustlos, was ÖTTV-Sportdirektor Hans Friedinger auch gegenüber Damen-Bundestrainer Liu Yan Jun anmerkte.

Verstimmung
Li Qiangbing war missgelaunt, da ihr Liu Jia durch die Information an die Spanierinnen indirekt deren stärkste Spielerin als Gegnerin verschafft hatte. Es geht ja auch um Weltranglisten-Punkte. Neben dieser Verstimmtheit wird es auch nicht von allen Seiten positiv gesehen, dass Liu Jia im Doppel mit der Niederländerin Li Jiao antreten wird, auch wenn in diesem Fall eine sehr gute Medaillenchance besteht. Heine "muss" dadurch mit Li Qiangbing spielen.

Die Wienerin spielt auch in den Zukunftsperspektiven des Damen-Nationalteams eine gewichtige Rolle. Nachdem sie in der vergangenen Woche an der Fachhochschule im oberösterreichischen Ort Hagenberg die dreijährige Ausbildung zur Kommunikationswissenschafterin begonnen hat, wird sie künftig dem Nationalteam entgegen ihrer ursprünglichen Ankündigung doch noch zur Verfügung stehen. Allerdings naturgemäß in eingeschränktem Ausmaß.

Ausbildung geht vor
Das Training im Leistungszentrum Linz wird sie nach Möglichkeit zwar fortsetzen, allerdings verliert die 22-Jährige zumindest vorübergehend ihre Bundesheer-Zugehörigkeit. Ihre Ausbildung hat bei der Linz-AG-Froschberg-Spielerin fraglos künftig Vorrang. "Ich spiele weiter im Nationalteam, wenn es sich mit den Prüfungen ausgeht", meinte Heine daher auch zur APA - Austria Presse Agentur.

Heine hatte vor rund drei Wochen im Gespräch mit Friedinger laut diesem gemeint, dass sie auch jährlich bei drei, vier Pro-Tour-Events antreten wird, um sich möglichst ihre Weltranglisten-Platzierung zu erhalten. Der Oberösterreicher will in St. Petersburg Heine wegen derer sportlichen Verfügbarkeit aber noch einmal ansprechen. "Es besteht ja auch die Option", meinte Friedinger, "dass Vroni nach der Ausbildung wieder in den Profisport einsteigt."

Die Olympia-Teilnehmerin spielt in der ÖTTV-Equipe eine so wichtige Rolle, da es einfach keine Alternativen gibt. Würde sie nicht mehr spielen, hätte man mit Petzner zwar noch eine - schwächere - Nummer drei, dahinter gibt es aber überhaupt keine Personalreserven. Heine: "Die Situation ist eine Katastrophe, es wurde im Nachwuchs nichts gemacht. Dabei könnte man hinter 'Susi' und 'Bing' (Anm.: Liu und Li) super ein Nachwuchsteam aufbauen."

Linz als Zentrum
Fakt ist, dass sich alle Kräfte auf Linz konzentrieren. Heine nahm die Mühen auf sich, für den sportlichen Erfolg ihren Lebensmittelpunkt von Wien nach Oberösterreich zu verlegen. Jüngere folgten ihrem Beispiel aber nicht. In der Not sollen nun die B-Kaderspielerinnen Monika Juric von UTTV Pinkafeld, Claudia Schätzer von SC Ossiachersee/Bodensdorf (jeweils 1. Bundesliga) sowie Karina Kovacs von Zweitligist SV Übelbach verstärkt gefördert werden.

Friedinger: "Wir werden sie sukzessive in Linz in Trainingskurse einbinden." Alle drei sind freilich noch im absoluten Teenager-Alter und leistungsmäßig noch weit davon entfernt, im Nationalteam ein Match gewinnen zu können. Daher war es besonders schmerzlich, dass die ÖTTV-Damen in St. Petersburg zum sechsten Mal en suite im Viertelfinale scheiterten. Denn leichter wird es in den nächsten Jahren sicher nicht werden.

Auffallend ist, dass der Teamgeist bei den ÖTTV-Damen hinter jenem der Herren zurückbleibt. Auch gibt es etwa keine gemeinsame Mental-Arbeit. "Da kann man gerade im Tischtennis viel machen", erläuterte Heine. "Aber bei uns läuft das alles individuell." Friedinger - "Mit Platz sechs sind wir nicht so zufrieden" - hätte den Damen eine bessere Finalchance als den Herren gegeben. Doch es blieb wieder beim Wunsch, die Herren holten immerhin Bronze.
(apa/red)

7.10.2008 13:02