Dienstag, 7. Oktober 2008

Medaille für Österreich bei Tischtennis-EM: Bronze nach Niederlage gegen Deutschland

  • Werner Schlager holte beide Punkte für Österreich

Das österreichische Tischtennis-Herren-Nationalteam hat seinen Rhythmus gehalten. Nach Bronze 2002 in Zagreb und Silber 2005 in Aarhus wurde es nun in St. Petersburg abermals mit Bronze erneut eine EM-Team-Medaille. Dazwischen reichte es 2003 in Courmayeur und 2007 in Belgrad nicht für das Podest. Dennoch, seit mehr als einem Jahrzehnt wartet die ÖTTV-Truppe bei Großereignissen mit Top-Leistungen auf - ein Resultat eines guten Kollektivs.

Das aktuelle Team um Werner Schlager, Robert Gardos und Chen Weixing entwickelte sich seit Mitte der Neunziger, als Schlager seine ersten größeren Erfolge feierte und Ferenc Karsai am 1. Oktober 1995 das Amt des ÖTTV-Herren-Bundestrainers übernahm. Der Ungar hielt dem österreichischen Tischtennis seit damals durchgehend die Treue.

Chen Weixing fand nach seiner Einbürgerung am 24. Oktober 2000 sofort Aufnahme in das Nationalteam, davor waren mit Ding Yi und Qian Qianli andere Austro-Chinesen Wegbereiter für den Aufstieg des österreichischen Tischtennis gewesen. Der Mitte der Neunziger aus Ungarn gekommene Gardos wuchs in den jüngsten Jahren nach und nach in die Mannschaft, war erstmals 2005 bei den Europameisterschaften in Aarhus ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Der damalige zweite Platz nach einer Final-Niederlage gegen Dänemark war der bisher größte zählbare ÖTTV-Team-Erfolg, bei einer WM reichte es seit Karsais Amtsübernahme maximal zu Rang sechs, 2004 in Doha. Meist stellte sich ein großes Kaliber in den Weg. Zuletzt Ende Februar bei der WM in Guangzhou war es Deutschland, daher wurde es nur Platz neun. In St. Petersburg waren es wieder die Deutschen, sie verhinderten den ÖTTV-Finaleinzug.

Das österreichische Team ist mittlerweile aber gefestigter als noch im vergangenen Jahr, da der dritte Mann erstarkt ist. Waren jahrelang Schlager und Chen die Leistungsträger, präsentierte sich seit Olympia im August in Peking auch und vor allem Gardos in Topform, entwickelte sich zur gleichwertigen Stütze. Karsai bleiben so mehr Varianten bei der Aufstellung, was oft mitentscheidet.

Regelmäßige gewinnbringende Trainingslager mit Beteiligung ausländischer Spitzenspieler einerseits in Österreich und da meist in Faak/See und andererseits auch im Ausland wie in Düsseldorf unmittelbar vor den Spielen haben eine gesunde Basis geschaffen, um die Konkurrenzfähigkeit zu steigern. Selbst die Chinesen kamen hinter die Effizienz der Camps und waren schon in Kärnten zu Gast, ebenso wie die ÖTTV-Asse im "Reich der Mitte".

Kräfte im Hintergrund sind freilich auch für den Erfolg verantwortlich. Da ist Konditionstrainer Claus Bader, der immer lautstark anfeuernde und fanatische Nationalteam-Fan Hans Friedinger oder Masseur Hermann Schmid. Er hatte wegen eines Bandscheibenvorfalls vorzeitig aus Peking abreisen müssen, ist nun aber wieder einigermaßen fit und in Russland an der Seite der Olympia-Vierten.

Die 36-jährigen Schlager und Chen werden freilich nicht mehr ewig spielen, Nachwuchs ist gefragt. Mit dem Wiener Daniel Habesohn steht der nächste Kandidat für das Nationalteam schon in den Startlöchern, der 22-Jährige war im Pekinger Teambewerb bereits als Ersatzmann dabei. Einige andere Nachwuchshoffnungen wie Stefan Fegerl könnten in der nächsten Generation ebenfalls das Kommando übernehmen.
(apa/red)

7.10.2008 10:08