Mehrere Dörfer überrannt? Burmas Armee rückt offenbar brutal gegen Flüchtlinge vor
- Hilfsorganisation meldet: Häuser niedergebrannt
- Karen-Minorität wird unterdrückt und verfolgt

Die burmesische Armee hat nach Angaben einer Hilfsorganisation im Grenzgebiet zu Thailand eine brutale Offensive gegen Flüchtlinge der Karen-Minderheit gestartet. Einige Dörfer seien überrannt, berichtete "Helfen-ohne-Grenzen". Die Organisation unterhielt in dem Gebiet südlich der Grenzstadt bisher mit Spendengeldern vor allem aus Europa fünf Schulen und zwei Kliniken, die geschlossen werden mussten.
In den vergangenen Jahren hatte die burmesische Militärjunta mehr als 200.000 Karen-Volksangehörige innerhalb des Landes zwangsumgesiedelt und etwa 100.000 über die Grenze auf thailändisches Gebiet getrieben. Das thailändische Militär brachte einen Teil der Flüchtlinge gewaltsam zurück. Die anrückenden Soldaten hätten bei der neuesten Aktion alle Lebensmittelvorräte geplündert, Felder zerstört und Häuser niedergebrannt, berichtete "Helfen-Ohne-Grenzen".
Die Befreiungsorganisation "Karen National Union" (KNU) hatte im Vorjahr an die anderen ethnischen Widerstandsgruppen in Burma (Myanmar) appelliert, den Kampf der Demokratiebewegung gegen die Militärdiktatur unter General Than Shwe zu unterstützen. Die KNU kämpfte unter ihrem 2006 verstorbenen Kommandanten General Bo Mya seit der Unabhängigkeit Burmas 1948 gegen die Zentralregierung. Bo Myas Hauptquartier Manerplaw war 1995 von der burmesischen Armee eingenommen worden. Seither hielt sich die KNU-Führung an einem geheimen Ort nahe der thailändischen Grenze auf. Bo Myas Nachfolger Pado Manh Sha wurde in Thailand von Unbekannten erschossen.
Massenflucht
Die burmesische Armee hatte eine Massenflucht von mehrheitlich christlichen Karen aus dem Gebiet um die neu errichtete Hauptstadt Naypyidaw im Landesinneren ausgelöst. Das burmesische Regime unterdrückt die nicht-burmesischen Völker innerhalb der Landesgrenzen, von denen die Karen, Shan, Kachin, Chin und Mon die größten sind. Es gibt auch eine starke chinesische Minorität. Bis zu 100.000 Chin sind nach Indien geflohen, 450.000 - hauptsächlich Karen, Mon, Kayah und Shan - nach Thailand. Dort leben ungefähr 140.000 Flüchtlingen in Lagern an der Grenze. Zehntausende Muslime (Rohingya) flüchteten in den 1990er-Jahren nach Bangladesch.
Eine Million Menschen sind nach Schätzungen innerhalb von Burma auf der Flucht oder gewaltsam vertrieben worden. Gas-Pipeline- und Staudammprojekte oder für die Produktion von Biokraftstoff angelegte Plantagen gehen häufig mit schwersten Menschenrechtsverletzungen - Zwangsarbeit, Zwangsumsiedlungen, Vergewaltigungen, Festnahmen, Folter und Mord - einher. Das südostasiatische Land, einstmals größter Reisexporteur der Welt, verfügt über große Reserven an Teak-Holz, bedeutende Öl- und Erdgasvorkommen sowie Eisen-, Silber-, Blei- und Zinkerze. Aus dem "Goldenen Dreieck" (im Grenzgebiet zu Thailand und Laos) werden große Mengen Heroin und Kokain über die chinesische Provinz Yunnan nach Hongkong und Macao und von dort weiter nach Europa und in die USA geschleust
(apa/red)
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