Donnerstag, 9. Oktober 2008

"Jetzt kommt ÖVP-FPÖ-BZÖ!": Häupl rechnet
trotz Wahlsieg mit Oppositionsrolle der SPÖ

  • Über Zeitdruck der ÖVP und die Ablöse Gusenbauers
  • Der Wiener Bürgermeister im exklusiven NEWS-Talk

Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl rechnet trotz Platz eins für die SPÖ mit einer Koalition aus ÖVP, FPÖ und BZÖ: "Das ist das Wahrscheinlichste." Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin NEWS kündigt Häupl für die Wien-Wahl im Jahr 2010 zudem an: "Den Kampf nehmen wir auf."

NEWS: Die ÖVP ziert sich und findet die Oppositionsrolle sehr attraktiv. Was soll SPÖ-Chef Werner Faymann nun tun?

Häupl: Vor allem Geduld haben.

NEWS: Aber gerade die fehlt den Wählerinnen und Wählern.

Häupl: Das verstehe ich. Aber der allgemeine Wunsch, aus dem Wahlergebnis einen klaren Wählerauftrag im Hinblick auf die Regierungsbildung abzulesen, ist vom Wähler nicht erfüllt worden. Also wird man sich in Geduld üben müssen. Der einzige Vorteil, den ich erkenne, ist, dass die Spekulation Rot-Blau nun auch mathematisch falsifiziert ist.

NEWS: Aber der Druck auf Faymann ist groß.

Häupl: Die Verantwortung dafür trägt allemal die ÖVP. Ich habe volles Verständnis dafür, dass man nach so einer Niederlage und einem Obmannwechsel Zeit zur Selbstfindung braucht. Aber das kann nicht Monate dauern. Sonst muss die ÖVP das vor ihren Wählern verantworten.

NEWS: Sie darf also nicht allzu lange im Schmollwinkel bleiben?

Häupl: Nein, denn es kann dann durchaus die Situation eintreten, dass alle Parteien in der Opposition sind. Dann haben wir gar keine Regierung. Ein interessantes Experiment. Schauen wir einmal, wie lange es braucht, bis es dem Volk auffällt.

NEWS: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Schwarz-Blau-Orange vorbereitet wird?

Häupl: Ich halte das unverändert für die wahrscheinlichste Regierungsbildungsvariante.

NEWS: Erwin Pröll hat den Bundespräsidenten attackiert, weil der nicht sofort den Regierungsbildungsauftrag erteilte. Wie interpretieren Sie das?

Häupl: Ich interpretiere diese mahnenden Worte in erster Linie in Richtung seiner eigenen Partei. Denn Erwin Pröll bei seinem untrüglichen Gespür für die Stimmung und Meinung der Leute merkt ganz genau, dass man sich nicht allzu viel Zeit lassen darf.

NEWS: Warum wollen Sie dem SPÖ-Verhandlungsteam nicht angehören? Wollen Sie das Ergebnis nicht mitverantworten?

Häupl: Damit hat das nichts zu tun, ich habe das oft genug gemacht und die Erkenntnis gewonnen, dass für Form und Spielregeln der Bundesregierung die Bundespolitiker verantwortlich sein sollen. Die Einbeziehung der Ländervertreter hat sich aus meiner Sicht nicht als sinnvoll erwiesen. Erwin Pröll wird das auch so halten.

NEWS: War der Wechsel an der SPÖ-Spitze richtig - bei sechs Prozent minus?

Häupl: Natürlich war er richtig, denn jeder weiß, wie das vor drei Monaten ausgeschaut hat. Werner Faymann hat eine gigantische Aufholjagd zustande gebracht, die uns nicht dorthin gebracht hat, wo wir hin wollten, nämlich zu einem Plus.

Das komplette Interview können Sie im NEWS 41/08 nachlesen!

9.10.2008 15:48