Mittwoch, 1. Oktober 2008

Soziale Isolation lässt Menschen frieren: Einsame schätzen Temperatur niedriger ein

  • Nehmen auch eher heiße Speisen & Getränke zu sich
  • Gut Integrierte dagegen bevorzugen kühlere Gerichte

Einsamkeit und ein Kältegefühl werden im alltäglichen Sprachgebrauch immer wieder in Zusammenhang gebracht. Psychologen der University of Toronto haben jetzt nachgewiesen, dass die soziale Isolation für diese Empfindung verantwortlich ist. Menschen, die sich ausgeschlossen fühlen, empfinden einen Raum kälter als jene, die sich als Teil einer Gruppe sehen.

In der Untersuchung wählten jene Leute, die sich als nicht zugehörig fühlten, aus einem Speisenangebot eher eine wärmende Suppe als einen Apfel oder ein kaltes Getränk aus.

Heiße Suppe oder kühler Drink?
Für das erste Experiment wurden 65 Studenten in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe sollte sich an eine persönliche Erfahrung erinnern, in der sie sich sozial ausgeschlossen, isoliert oder einsam gefühlt hatte. Dazu gehörte zum Beispiel die Nichtaufnahme in einen Club. Die zweite Gruppe sollte sich an die gegenteilige Erfahrung, die Aufnahme in eine Gemeinschaft erinnern. Alle Teilnehmer wurden gebeten, die Raumtemperatur zu schätzen. Die Schätzungen gingen von zwölf Grad bis zu 40 Grad. Jene, die sich an schlechte Erfahrungen erinnerten, gaben deutlich niedrigere Werte an.

Unbeliebte mögen's lieber heiß
In einem zweiten Experiment spielten die Studenten ein Ballspiel am Computer. Das Spiel war so programmiert, dass manche der Freiwilligen den Ball viel öfter zugespielt bekamen als andere. Anschließend wurden sie gebeten, die Stärke ihres Wunsches nach einem heißen Kaffee, Keksen, Limonaden, einem Apfel oder einer heißen Suppe zu bewerten. Die "unbeliebten" Teilnehmer entschieden sich viel eher für Kaffee oder Suppe. Diese Vorliebe führen die Forscher auf ein körperliches Kältegefühl zurück, das durch das Ausgeschlossensein hervorgerufen wurde. (pta/red)

1.10.2008 08:26