Freitag, 3. Oktober 2008

Die Außenseiter der digitalen Medienwelt:
35 Prozent der Österreicher sind noch offline

  • e-Inclusion großes Thema auf dem Internet Summit
  • Europaweit erst fünf Prozent der Websites barrierefrei

Rund 35 Prozent aller Österreicher nutzen das Internet nicht. Neben älteren Personen sind es vor allem Menschen mit geringer Bildung, die offline sind. Bei der Verkleinerung der digitalen Kluft müsse daher besonderes Augenmerk auf diese Schichten gelegt werden, sagte die für Medien zuständige Ministerin Heidrun Silhavy anlässlich des diesjährigen Internet Summit, der sich mit dem Thema e-Inclusion beschäftigt.

Bei e-Inclusion "geht es einerseits um die Miteinbeziehung strukturell benachteiligter Bevölkerungsgruppen in die Wissensgesellschaft, andererseits eröffnet der Bereich aber auch Wachstumschancen für neue wirtschaftliche Märkte im Internetsektor", sagte der scheidende Generalsekretär der Internet Service Provider Austria (ISPA), Kurt Einzinger. Die Nutzung von Internet- und Kommunikationstechnologien sei grundsätzlich keine neue Diskriminierung ohnehin benachteiligter Bevölkerungsgruppen, sondern biete diesen Menschen zusätzliche Chancen, meinte Silhavy.

Bildungs- und Einkommensbarrieren verringern
Hierzulande leben etwa 100.000 Personen mit Lese-, Schreib- oder Rechenschwäche, hieß es. Jene Menschen an das Internet heranzuführen, sei "sehr, sehr schwierig", so Silhavy. Mit einigen Projekten wie etwa einem kostenlosen Web-Zugang in Bibliotheken werde bereits versucht, bildungs- und einkommensbedingte Barrieren zu überwinden. Ob man mit derartigen Initiativen tatsächlich an die Zielgruppe herankommt, sei "nicht sicher", so die Ministerin. Trotzdem müssen man es "weiter versuchen".

Damit auch Personen mit Behinderung das Netz nutzen können, braucht es frei zugängliche Websites. In Österreich müssen Regierungs-Plattformen seit Anfang der Jahres barrierefrei sein. In einigen Gemeinden sei dies aber noch nicht umgesetzt worden, räumte Silhavy ein. Generell brauche Österreich bei e-Government den europäischen Vergleich aber nicht scheuen.

Erst fünf Prozent barrierenfrei
Europaweit sind erst fünf Prozent aller Websites barrierefrei, sagte Paul Timmers, Leiter der Abteilung IKT für Integration in der Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien in der in der Europäischen Kommission. Die Gründe dafür seien oftmals Unwissenheit der Betreiber oder befürchtete Kosten. Mit einer e-Inclusion-Kampagne will die EU-Kommission deshalb Problembewusstsein in der Politik, Wirtschaft und bei der Bevölkerung schaffen.

Der von der ISPA und vom Bundeskanzleramt veranstaltete Internet Summit dient als Vorbereitung für die Europäische e-Inclusion-Ministerkonferenz, die vom 30. November bis 2. Dezember in Wien stattfindet.
(apa/red)

3.10.2008 11:59