Samstag, 4. Oktober 2008

Deutsche verpasst Go zu Medizinstudium:
Will Österreich nun wegen Quote verklagen

  • Grund: Schnitt im Test besser als Österreicher ab
  • Klage könnte vor Europäischem Gerichtshof landen

Eine deutsche Staatsbürgerin will Österreich wegen der Quotenregelungen für den Zugang zum Medizinstudium verklagen, berichtet der "Spiegel Online": Sie habe beim Eignungstest im Sommer 2008 besser abgeschnitten als viele zugelassene Österreicher und sei daher nur aufgrund der Quote für Nicht-Österreicher abgewiesen worden.

"Ich verstehe die Beschränkungen zwar, will aber keine Chance auf einen Studienplatz ungenutzt lassen", wird sie zitiert. Die 23-Jährige "Wahlwienerin" lebe seit 2004 in Österreich und habe bereits ein kulturwissenschaftliches Fach bis zum Bakkalaureat studiert. Auf den Eignungstest an der Medizinischen Universität Wien (MUW) habe sie sich im Sommersemester 2008 vorbereitet, indem sie Zahnmedizin in München belegt hatte.

75 Prozent der Studienplätze in medizinischen Fächern sind für Österreicher reserviert, 20 Prozent für EU-Bürger und 5 Prozent für Nicht-EU-Ausländer - bleibt aufrecht. Die verhinderte Studentin verpasste mit einem Testwert von 110 den Einzug ins EU-Kontingent. Für Österreicher hätte indes schon ein geringerer Wert gereicht. Dagegen will sie nun Klage einreichen.

Kann vor Europäischem Gerichtshof landen
Diese könnte wohl eines Tages vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) landen, allerdings nach einem Instanzenlauf bis hinauf zum Verwaltungsgerichtshof (VwGH), der sich wiederum an den EuGH wenden könnte, sagt der Jurist Bernd-Christian Funk dem "Spiegel Online". MUW-Sprecher Bernd Matouschek befasst sich derzeit der Senat der Universität mit dem Einspruch gegen den Ablehnungsbescheid, sagte er der "Kleinen Zeitung". Bis das allfällige Verfahren entschieden ist, könnte allerdings "über die Quotenregelung politisch schon ganz anders entschieden" worden sein, meint er. Hat die Klägerin Erfolg, stünde ihr laut Funk eine Entschädigung zu.

(apa/red)

4.10.2008 11:44