Mittwoch, 1. Oktober 2008

Russlands rehabilitiert Nikolaus II: Zaren- Familie von jeder Schuld freigesprochen

  • Romanow-Familie als Opfer sowjetischer Repression
  • Der Zar, seine Frau und 5 Kinder wurden erschossen

Der Oberste Gerichtshof Russlands hat den letzten russischen Zaren Nikolaus II. in aller Form rehabilitiert und als Opfer der politischen Unterdrückung in der Sowjetunion anerkannt. "Das Präsidium des Gerichts hat die Bestrafung von Zar Nikolaus II. und seiner Familie für grundlos erklärt und ihn rehabilitiert", sagte Gerichtsmitglied Pawel Odinzow. Die Rehabilitierung des Zaren, der im Juli 1918 mit seiner Frau und seinen fünf Kindern erschossen worden war, wurde von seiner Nachfahrin Maria Wladimirowna seit Jahren gefordert.

Durch den Gerichtsentscheid ist die Zaren-Familie von jeglicher Schuld freigesprochen. Verbrechen der Romanows gegen das Volks waren von der sowjetischen Führung im 20. Jahrhundert stets als Grund für deren Hinrichtung angeführt worden. Andere Mitglieder der Romanow-Familie waren in den vergangenen Jahren bereits rehabilitiert worden, der Zaren-Familie war dies aber im Februar erneut verwehrt worden. Die sterblichen Überreste der in Jekaterinburg hingerichteten Familie sind in St. Petersburg bestattet.

Der Anwalt des Zaren-Hauses Romanow, German Lukjanow, teilte laut der Nachrichtenagentur RIA Novosti nach dem Prozess mit, dass gegen das heutige Gerichtsurteil keine Berufung eingelegt werden darf, weil es von der obersten Instanz des Landes verhängt wurde. Selbst wenn die Generalstaatsanwaltschaft das Urteil vor einem europäischen Gericht anfechten würde, hätte das keine rechtlichen Folgen. Russland habe mit dem heutigen Gerichtsbeschluss gezeigt, dass es seine "blutige Vergangenheit" verurteilt und einen neuen Weg betreten habe, sagte der Anwalt.

Großfürstin kämpfte bis zu Letzt
Großfürstin Maria Wladimirowna, jetziges Oberhaupt des Hauses Romanow, hatte im Jahr 2002 einen Ausschuss unter dem damaligen Präsidenten Wladimir Putin angerufen, um ihre Vorfahren rehabilitieren zu lassen. Die Romanows waren schon im Jahr 2000 von der orthodoxen Kirche als Märtyrer kanonisiert worden. Zum 90. Jahrestag ihrer Hinrichtung am 17. Juli kamen Hunderte russische Monarchisten an den Ort der Tat, um der Zaren-Familie zu gedenken. Russlands Präsident Dmitri Medwedew gilt als Bewunderer des letzten Zaren.

Der letzte russische Zar, Nikolaus II., seine Ehefrau Alexandra Fedorowna und die fünf Kinder Olga, Tatjana, Marija, Anastassija und Alexej waren in der Nacht auf 17. Juli 1918 in der Ural-Stadt Jekaterinburg auf Befehl der bolschewistischen Regierung erschossen worden. (apa/red)

1.10.2008 13:33