Dienstag, 7. Oktober 2008

Austrian Airlines: Die Russen werden beim Verkauf der Luftlinie ausgebremst

  • ÖIAG und Merrill Lynch drohen S7 mit Ausschluss
  • Zweikampf Lufthansa-Air France zeichnet sich ab

Die Chancen der russischen S7 schwinden. Die Raiffeisen-Gruppe mischt bei allen drei AUA-Bietern – Lufthansa, Air France und S7 – mit.

Die sibirische Luftlinie S7 ist eines der drei Unternehmen, die sich im harten Ausleseverfahren um den AUA-Bieter halten konnten, doch nun sieht es nicht mehr gut aus für die Russen: Trotz PR-Maschinerie laufen ihre Bemühungen ins Leere. Als Airline außerhalb der EU darf die S7 nicht die Kontrolle bei der AUA übernehmen. Das durch eine Privatstiftung zu umgehen ist mehr oder weniger passé. Die Gefahr ist zu groß, dass die AUA ihre Betriebsgenehmigung nicht mehr bekommt, um die sie nach dem Ausstieg der ÖIAG auf jeden Fall neu ansuchen muss. Die S7 würde sich daher mit einer Minderheit begnügen.

Rechtliche Hindernisse
Aber auch ein mögliches Österreich-Konsortium will keine Mehrheit, weil das ein Übernahmeangebot an alle AUA-Kleinaktionäre zur Folge hätte. Außerdem ist rechtlich noch offen, ob nicht auch dann ein Übernahmeangebot fällig wird, wenn sowohl S7 als auch eine Gruppe um den Raiffeisen Oberösterreich-Boss Ludwig Scharinger (siehe Bild) unter 30 Prozent bleiben. Auch im Umfeld der sibirischen Airline wird eine gangbare Konstruktion mittlerweile als extrem kompliziert bezeichnet. Die Chancen schwinden.

Mit Ausschluss gedroht
Die ÖIAG und ihre Investmentbank Merrill Lynch haben bereits angedroht, die S7 wegen Bruchs der Vertraulichkeitserklärung aus dem Bieterprozess auszuschließen. „Die ÖIAG würde sich so auf elegante Weise die Frage ersparen, warum die S7 überhaupt auf die Shortlist gekommen ist, wenn ein AUA-Einstieg für sie rechtlich vielleicht gar nicht möglich ist“, sagt ein Insider.

Zweikampf in Sicht
Sehr wahrscheinlich läuft der AUA-Verkauf aber auf einen Zweikampf zwischen Lufthansa und Air France hinaus. Die Deutschen haben JPMorgan Chase als Berater engagiert. Die ÖIAG will ihren Zeitplan trotz mancher Zweifel durchpeitschen: Abgabe der finalen Offerte am 24. Oktober, Entscheidung am 28. Oktober. Es sei zu unsicher, so argumentiert Peter Michaelis, ob der Deal bei einer neuen Regierung ohne Probleme wieder durchzubringen wäre.

Thema bei Raiffeisen
Auch im weit verzweigten Raiffeisen-Konzern ist die AUA ein großes Thema – das teilweise auch Verwerfungen mit sich bringt. Denn Raiffeisen ist bei allen drei AUA-Bietern irgendwie drin. Ludwig Scharinger sitzt mit der S7 im Boot und bastelt an einem Österreich-Konsortium. Die Air France wird von der Raiffeisen-Tochter RIAG beraten, die über ihre Partnerschaft mit der Investmentbank Lazard zu diesem Auftrag kam.

Unterschiedliche Präferenzen
Walter Rothensteiner, dem Chef der Raiffeisen Zentralbank, die ein kleines AUA-Aktienpaket hält, wird eine Präferenz für die Lufthansa nachgesagt. Auch Christian Konrad, der Generalanwalt der Gruppe, hat bereits Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber zu einem Gespräch getroffen. Rothensteiner soll wenig erfreut reagiert haben, als er von Scharingers Engagement bei S7 erfuhr. Sollten die Russen als Bieter ausscheiden, könnte sich der Zwist aber bald erledigt haben.

Von Miriam Koch und Andreas Lampl

7.10.2008 18:16