Donnerstag, 2. Oktober 2008

Nach den Attacken gegen die UniCredit:
Schwappt die Krise nun nach Österreich?

  • Massive Verluste der Wertpapiere durch Spekulation
  • Nervöse Stimmung auch bei der Tochter Bank Austria

Die Stimmung bei den heimischen Banken wird immer angespannter. Österreich mag in mancherlei Hinsicht eine Insel der Seligen sein, doch die Internationalisierung des Bankenkapitals ist weit fortgeschritten. Einige österreichische Institute sind nur mehr ein Marke, hinter der andere Eigentümer stecken. Diese wiederum sind von der internationalen Finanzkrise stärker betroffen, als die heimischen Auftritte vermuten lassen würden. Ein internationales Geflecht, desses fragiles Gleichgewicht zu kippen droht.

Beruhigende Worte bewirken manchmal das Gegenteil, vor allem in angespannter Atmosphäre. Wenn der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti garantiert, dass das italienische Bankensystem solide sei, dann muss man sich Sorgen machen. Denn die Notwendigkeit einer solchen Erklärung deutet auf das genaue Gegenteil hin. Die Liquidität der italienischen Banken sei zufriedenstellend, fügte er seiner Erklärung hinzu. Zusammen mit der Notenbank werde die italienische Regierung Maßnahmen ergreifen, um die Stabilität des Bankensystems zu garantieren und die Sparer zu schützen. "Wir werden den italienischen Markt vor spekulativen Angriffe schützen, die wegen der Unsicherheit auf dem internationalen Finanzsystem florieren", so Tremonti in seiner Ansprache vor dem Parlament.

Berlusconi für die kleinen Sparer
Die Turbulenzen im Bankwesen haben auch Silvio Berlusconi auf den Plan gerufen. Er versuchte die verunsicherten Sparer zu beruhigen: "Ich werde spekulative Angriffe gegen unsere Banken nicht zulassen. Italienische Bürger werden keinen Euro des Geldes verlieren, das sie in die Bank gelegt haben." Die Liquidität der italienischen Banken sei ausreichend, erklärte der Premierminister. Daher seien die Konsequenzen der Finanzkrise für das italienischen Banken- und Versicherungssystem überschaubar.

Was der italienische Regierungschef mit "spekulativen Angriffen" meint ist seinen Landsleuten klar. Italiens größte Bank, die Bank Austria-Mutter UniCredit, stöhnt im Zuge der internationalen Finanzkrise zur Zeit unter einer für europäische Verhältnisse beispiellosen spekulativen Attacke. Seit Beginn des Jahres hat sich der Börsewert nahezu halbiert. Diese Attacke versetzt die Belegschaft der Bank in helle Aufregung. Der Vorstandschef Alessandro Profumo musste persönlich in einem TV-Interview erklären, dass er absolut nicht an Rücktritt denke. Von einem kolportierten bevorstehenden Angebot der spanischen Santander sei ihm ebenfalls nichts bekannt. Ein Detail am Rande: Profumo ist zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Bank Austria.

Jahresziele fließen dahin
Als Reaktion auf den veritablen Verlust an der Börse will die Großbank nun die Eigenkapitalquote wieder erhöhen. In einem ersten Schritt werden nun Teile des Immobilienportfolios in einen Fonds auslagert. Außerdem will sich das Institut von riskanten Veranlagungen trennen. Die jahresziele des Konzerns konnten unter diesen Bedingungen nicht mehr bestätigt werden.

In Österreich ist die Situation noch nicht in derselben Weise beunruhigend. Trotzdem kann in einem Dominoeffekt die Krise auch über die heimische Bankenwelt hineinbrechen. Das Beispiel der Unicredit zeigt, wie eng die Verbindungen zu den großen Instituten weltweit sind. Neben der Bank Austria betrifft das auch die Hypo Alpe-Adria, die in bayrischer Hand ist, oder die Bawag, dessen Cerberus-Übernahme wohl noch im Gedächtnis ist. Damit hat sich weltweit ein fragiles Netzwerk entspronnen, dessen Fäden nun zu zerbersten drohen. (apa/red)

2.10.2008 18:16