Donnerstag, 2. Oktober 2008

Finanzkrise schadet heimischer Wirtschaft: Weniger Wachstum, mehr Arbeitslose 2009

  • Prognose gesenkt: Nur 0,9 % bis 1,2 % Zuwachs
  • Verbraucherpreise steigen dafür weniger schnell an
    NEWS-Analyse: "Mögliche positive Effekte der Krise"

Österreichs Wirtschaft wird 2009 deutlich weniger stark wachsen als noch im Juni vorausgesagt, sind sich Wifo und IHS in ihrer Prognose einig. Das Wirtschaftsforschungs-
Institut geht nun von einem Plus von nur mehr 0,9 Prozent aus, statt 1,4 Prozent. Das Institut für Höhere Studien nahm seine Prognose um 0,7 Prozentpunkte von 1,9 auf 1,2 Prozent zurück. Auch 2008 wird weniger gut laufen als noch im Juni erwartet: 2,0 Prozent Wirtschaftswachstum statt 2,3 Prozent (Wifo) bzw. 2,2 Prozent (IHS) sagen die beiden Institute jetzt für heuer voraus.

Die Differenz zwischen den beiden Prognosen ist diesmal besonders brisant, da Wirtschaftsminister Martin Bartenstein vor einer Woche bei einem "Konjunkturgipfel" gesagt hatte, "wenn die Wachstumsprognose fürs nächste Jahr unter ein Prozent sinkt, dann ist Alarmstufe Eins gegeben", dann sei ein Konjunkturpaket nötig. Beide Institute gehen davon aus, dass die realwirtschaftlichen Auswirkungen der US-Bankenkrise gering bleiben, sich die Wirtschaftslage im ganzen Euroraum aber verschlechtern wird.

Das geringere Wachstum 2009 geht mit einer niedrigeren Inflation einher. Die Verbraucherpreise werden nach heuer 3,4 Prozent 2009 nur mehr um 2,2 Prozent (Wifo) bzw. 2,3 Prozent (IHS) zulegen. Die Verringerung des Mehrwertsteuersatzes auf Medikamente und die Abschaffung der Studiengebühren werden inflationsmindernd wirken, schreibt das Wifo. Das IHS rechnet damit, dass sich der Auftrieb bei den internationalen Rohstoffpreisen nicht fortsetzt und dass eine moderate Lohnpolitik das Entstehen einer Lohn-Preis-Spirale verhindert.

Wieder mehr Arbeitslose
Zugleich wird auch die Arbeitslosenquote erstmals seit 2005 wieder steigen, und zwar um 0,3 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent (Wifo) bzw. 4,4 Prozent (IHS) nach Eurostat-Definition. Nach alter österreichischer Definition wären es 6,3 Prozent, sind sich die Institute einig. Der Zuwachs an Beschäftigung wird mit 0,5 Prozent (Wifo) bzw. 0,4 Prozent (IHS) niedriger ausfallen als in den vergangenen fünf Jahren.

Das gesamtstaatliche Defizit wird nach Annahme beider Institute von heuer 0,6 Prozent auf 1,0 Prozent 2009 steigen. Dadurch könne die öffentliche Hand zwar eine angemessene expansive Wirkung ausüben, das laufe aber den vereinbarten Sparbemühungen zuwider, so das Wifo. (apa/red)

2.10.2008 18:49