Mittwoch, 1. Oktober 2008

Justiz ermittelt wegen UEFA-Cup-Pleite:
Manipulation bei 0:4 von Bayern München?

  • Gespräche von russischen Mafia-Bossen abgehört
  • Deutscher Meister weiß nichts von Verdächtigungen

Die spanische Justiz ermittelt wegen des Verdachts, dass beim Halbfinal-Aus des deutschen Fußball-Meisters Bayern München im UEFA-Cup gegen den späteren Champion Zenit St. Petersburg (1:1/0:4) im Mai Bestechung im Spiel gewesen sein könnte. Eine Sprecherin des Nationalen Gerichtshofs bestätigte in Madrid, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. Das Gericht dürfe aber zu laufenden Ermittlungen keine Einzelheiten bekanntgeben.

Die Madrider Zeitungen "El Pais" und "ABC" berichteten in ihren Ausgaben, der Verdacht der spanischen Justiz stütze sich auf abgehörte Telefongespräche von russischen Mafia-Bossen in Spanien. Der Chef eines einflussreichen kriminellen Unternehmens soll sich in einem Gespräch mit einem Kollegen gerühmt haben, den Erfolg von Zenit im Halbfinale "für 50 Millionen" gekauft zu haben. Die Währung sei dabei nicht genannt worden. Der mutmaßliche Mafia-Boss war im Frühjahr in Spanien festgenommen worden.

Laut spanischer Medien habe der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzon die deutsche Staatsanwaltschaft von den Ermittlungen unterrichtet. "Dem FC Bayern München ist dieser Verdacht ebenso wenig bekannt wie der Münchner Staatsanwaltschaft. Wir werden versuchen, jegliche etwaige Information zu diesem Vorgang zu erhalten", teilte der deutsche Rekordmeister aber mit.

Der russische Fußball-Meister Zenit St. Petersburg bezeichnete den Verdacht als Beleidigung und prüft rechtliche Schritte. "Wer die Spiele sah, weiß, dass es eine ehrliche und kompromisslose Auseinandersetzung war", sagte ein Vereinssprecher.

Der Vorwurf sei respektlos sowohl gegenüber Zenit als auch gegen Bayern. "Zur Zeit prüfen Juristen die Artikel der spanischen Presse. Danach werden wir über eine Klage zum Schutz unseres guten Rufes entscheiden", sagte der Sprecher.

Zenit gehört dem staatlichen Energieriesen Gazprom und ist eng mit dem in St. Petersburg geborenen Kremlchef Dmitri Medwedew verbunden. Der Nationale Gerichtshof in Madrid hatte zuvor bestätigt, dass wegen möglicher Bestechung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei.

Das 0:4 am 12. Mai bei Zenit St. Petersburg war die höchste Münchner Niederlage im Europacup seit 31 Jahren. (apa/red)

1.10.2008 20:06