Donnerstag, 2. Oktober 2008

Hanakamp will die ganze Welt umsegeln:
Österreicher startet beim Volvo Ocean Race

  • Heimischer Skipper segelt mit russischem Team
  • 37.000 Seemeilen: Von Alicante nach St. Petersburg

Von Alicante nach St. Petersburg. Über den Umweg Kapstadt, Cochin, Singapur, Qingdao, Rio de Janeiro, Boston, Galway, Marstrand/Göteborg und Stockholm. Acht Jachten nehmen von 11. Oktober 2008 bis 26. Juni 2009 die Herauforderung auf sich, die Welt zu umsegeln. 37.000 Nautische Meilen, das sind 68.524 Kilometer, warten dabei auch auf Andreas Hanakamp, der als Skipper des russischen Teams als erster Österreicher beim Volvo Ocean Race (VOR) dabei ist.

Der als Siegespreis ausgesetzte "Waterford Crystal" wird für den früheren Olympiasegler Hanakamp nur schwer zu holen sein, das Team Russia ist das einzige private unter den millionschweren Syndikaten. Der russische Geschäftsmann Oleg Scherebzow hat die finanzielle Basis geschaffen und den 42-jährigen Österreicher beauftragt, ein Team zu bilden. Der dritte Kopf im Bunde ist der Engländer Michael Woods. Der aus St. Petersburg kommende Scherebzow sitzt selbst als Bugmann auf der "Kosatka" (Killerwal) und hat sich, so Hanakamp, den "härtesten und gefährlichsten Job" ausgesucht.

Zehn Ozean-Abschnitte und sieben Rennen vor den Etappenorten (In-Port-Races), das erste am Samstag vor Alicante, bietet die Weltumseglung, die bis 1998 unter dem Namen "Whitbread Round the World Race" stattfand und bei ihrer zehnten Auflage zum zweiten Mal auf Monohulls (Einrumpf) der Klasse "Volvo Open 70" ausgetragen wird. Hanakamp segelt seit 26 Jahren auf hoher See, er strebte in den 1990er Jahren mit dem "Austrian Whitbread Challenge" das Debüt eines österreichischen Schiffs am berühmtesten Segelrennen rund um die Welt an, seine Bemühungen scheiterten damals aber aus finanziellen Gründen.

40 Mitglieder aus 17 Nationen
Bis zum Startschuss des VOR 2008/2009 betrug das Verhältnis zwischen Organisieren und Segeln 95:5 Prozent, beschrieb Hanakamp das aufwendige Projekt. Dem Team gehören 40 Mitglieder aus 17 Nationen an, darunter auch ein Dutzend Österreicher, an Bord selbst ist Hanakamp aber der einzige Vertreter der Alpenrepublik. Mindestens 7, maximal 11 Personen sind während der Regatta auf dem Schiff, einer davon versorgt die Medien mit Informationen.

Die zwei Ericsson-Boote bezeichnete Hanakamp als die härtesten Konkurrenten, Skipper des Internationalen Teams ist der Brasilianer Torben Grael, und damit ein ehemaliger Konkurrent des Niederösterreichers, hat der Südamerikaner doch Olympia-Gold 1996 und 2004 im Starboot gewonnen. Im America's Cup taktierte er 2000, 2003 und 2007 für Prada. Auf der Ericsson Nordic fungiert mit dem Finnen Thomas Johanson der Sydney-Olympiasieger im 49er als Helmsman/Trimmer.

70 Millionen Budget
"Ericsson verfügt über ein Budget von 70 Millionen Euro", weiß Hanakamp, der auf die große sportliche Qualität seiner Crew setzt. 15 Weltumseglungen und zehn WM-Titel bringt sein Team mit an Bord der in England gebauten "Kosatka". Mit dem Ukrainer Rodion Luka konnten auch die Dienste des 49er-Silbermedaillengewinners von 2004 in Athen gewonnen werden. Und der Spanier Guillermo Altadill ist Rekordhalter im "Race around the World".

Stark schätzt Andreas Hanakamp auch die Telefonica-Teams, sowie die Green Dragon (Skipper Ian Walker, zweimal Olympia-Silber) ein. Die Telefonica Black verpflichtete den aktuellen spanischen Tornado-Olympiasieger Fernando Echavarri als Skipper und den Argentinier Santiago Lange, langjähriger Trainingspartner von Roman Hagara/Hans Peter Steinacher, als Watch Captain. Die Spanier Iker Martinez und Xabier Fernandez (gemeinsam 49er-Gold 2004, Silber 2008) mischen bei der Telefonica Blue mit.

Underdogs
"Wir genießen es, als Underdogs ins Rennen zu gehen", meinte Hanakamp zur Ausgangsposition. Im Gegensatz zu den anderen Mannschaften ist die russische in ihrer Entwicklungsarbeit nie ausspioniert worden. "Weil sie uns anfangs nicht ernst genommen haben. Aber wir werden es ihnen zeigen. Wir können gewinnen und gehen auch mit diesem Ziel an den Start. Bei Starkwind schätze ich uns sehr stark ein. Probleme könnten wir nur bei Leichtwind bekommen", prognostizierte der Skipper.

Die Segler investierten teilweise 25 Stunden Training wöchentlich in die körperliche Vorbereitung. Bis zu 30 m hohe Wellen, Windstärken bis zu 100 km/h und Temperaturen zwischen minus fünf und plus fünfzig Grad zählen zu den extremen Herausforderungen. Die Königsetappe führt von der Olympiastadt Qingdao nach Rio de Janeiro - 12.300 Seemeilen bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und gegen den Wind.

Weitere prominente Olympiasegler sind an Board der Puma Racing der US-Amerikaner Jonathan McKee (Gold 1984 Flying Dutchman) und der Australier Chris Nicholson (49er-Weltmeister).
(apa/red)

2.10.2008 11:57